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Königsberg

Königsberg

Ende der 1850er Jahre erschien in Danzig (Gdańsk) das Buch von Max Rosenheyn „Reiseskizzen aus Ost- und Westpreussen“ (1858). Mit freundlicher Genehmigung der Übersetzerin Tatjana Koliwai stellen wir Ihnen das Kapitel über die Hauptstadt Ostpreußens vor.

LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.

Die ferne Stadt am Pregel verspricht jedem, der sie zum ersten Mal besucht, eine große Vielfalt an Eindrücken. Diese Königsstadt auf sieben Hügeln mit sieben Toren und sieben Brücken, die sich weit zu beiden Seiten des Flusses ausbreitet, wirkt überaus eindrucksvoll. Ihre siebzehn einander ganz unähnlichen Türme und das in der Ordenszeit erbaute Königliche Schloss auf dem Schlossberg sind markante Dominanten des Stadtbildes.

Königsberg erstreckt sich in einem weiten Halbbogen von den üppigen Wiesen am Pregel bis zu den bewaldeten Hügeln mit der darauf gelegenen Sternwarte – einem Denkmal, das sich der große Astronom Bessel1 noch zu Lebzeiten selbst errichtet hat.

Kommt man aus den modernen, sauberen Städtchen Deutschlands in diese nördliche Metropole, so spürt man sofort eine gewisse nordische Schwere und sogar eine bestimmte Kargheit.

Verweilt man aber längere Zeit hier, so lernt man die innere Sammlung, die Geschäftigkeit und den Fleiß der Einheimischen schätzen, ebenso ihre weit größere Herzlichkeit, als man nach der ersten Bekanntschaft vermuten würde. Genau das widerfährt den meisten Reisenden, besonders wenn sie aus dem Süden hierherkommen.

Sich ein vollständiges Bild von Königsberg zu machen, fällt schwer. Diese über die Hügel verstreute Häusermasse deutet auf den einstigen imperialen Ruhm der Pregelstadt hin. In vielen anderen preußischen Städten ist er längst verblasst und im Getriebe der modernen Welt aufgegangen. Nicht so in Königsberg.

Der Kneiphof – die von den Armen des Pregels umflossene Insel im Zentrum der Stadt –, der Markt der Altstadt, das Alte Schloss, der Löbenicht, der ehrwürdige Dom … Sie alle haben das jahrhundertealte Siegel einstiger Größe bewahrt und beeindrucken bis heute durch ihre unverwechselbare mittelalterliche Architektur. Die meisten Straßen sind hier nach wie vor von Häusern mit spitzen Dächern gesäumt, die an Nachtmützen erinnern. Ein Haus neigt sich zum anderen und schaut ihm neugierig in die Fenster.

Man muss sagen, dass Königsberg in vielen seiner Züge einen recht altmodischen bürgerlichen Charakter trägt, den es wohl in allernächster Zeit verlieren wird. Die unlängst hierher verlegte Eisenbahn zieht die Stadt am Pregel in das große Getriebe des Reiches und danach der ganzen Welt hinein. Das Brandenburger Tor ist zu einer imposanten Einfahrt in die Stadt von Westen her geworden. Auf dem berühmten Philosophendamm – einer großen, mit Grünanlagen geschmückten Wiese – erheben sich die stattlichen Gebäude des Bahnhofs. In Königsberg gibt es nur einen einzigen Bahnhof, doch gerade deshalb sucht er an Größe wie an Schönheit seinesgleichen.

Bahnhof Königsberg

Die Gegend um den Bahnhof, einst eine der ödesten in Königsberg, braust heute von Verkehrsströmen.

Bahnhof Königsberg1. Bahnhof; 2. Brandenburger Tor; 3. Festungswall; 4. Friedrichsburger Tor; 5. Pregel.

Aus dem sumpfigen Gelände sind mit zauberhafter Geschwindigkeit prächtige Häuserzeilen, Gärten und neue Straßen emporgewachsen. Die erste Straße, auf die der Ankommende gelangt, heißt Haberberg. An ihrem Anfang sehen wir die Statue eines Mannes mit einem federgeschmückten Hut, ein Schwert in der einen Hand und eine Fahne in der anderen. Diese bunt bemalte Holzfigur ist der Königsberger Wilhelm Tell, der Schustergeselle Hans von Sagan, der der Legende nach im Jahr 1270 das bereits zurückweichende Ordensheer in der Schlacht gegen die Litauer bei Rudau zum Sieg führte. Quer zum Haberberg verläuft die vornehme Vorstädtische Langgasse. Sie führt uns ins Zentrum Königsbergs. Ihre prächtige Perspektive überwältigt durch architektonische Pracht. Weiter, hinter der hiesigen Börse, öffnet sich unter dem Bogen des Grünen Tores die nächste schöne Straße – die Kneiphöfische Langgasse. Heute ist sie die Bleibe polnischer und russischer Juden, die man hier sozusagen im Original sehen kann.

Nicht weit entfernt steht die neue Synagoge, in einem recht imposanten Stil erbaut. Von hier gelangt der Gast der Stadt zur Hauptschlagader des Königsberger Lebens – dem Pregel. Von der Grünen Brücke, über die man auf die Kneiphofinsel gelangt, bietet sich ein herrlicher Ausblick. Rechts von der Brücke steht die Börse, die ganz auf hölzernen Pfählen über dem Fluss ruht. Die Fassade wird von einem Portikus auf ionischen Säulen getragen. Sie sähe gut aus, wenn ihre klassischen Formen nicht durch einen Giebel verdorben würden, der an eine Grenadiermütze erinnert.

Von diesem Punkt aus kann man das Panorama der Stadt bewundern. Von hier aus blickt man auf den Hafen, lebensfroh und wahrhaft seemännisch: mit Schiffen, an deren Masten Flaggen wehen, mit Kähnen und mächtigen Speichern zu beiden Seiten der Kais, deren frühere Bohlenbeläge sich in stattliches Granitpflaster verwandelt haben. Hier sieht man allerlei moderne Schiffe und die plumpen, flachbödigen Wittinen, die aus dem russischen Litauen hierherkommen. Gelenkt werden sie von armen Dzimken, diesen harmlosen, halbnackten Naturkindern, deren Anblick einen seltsamen Kontrast zu unserer Kultur und unserem Leben bildet. Hier legen die Schiffe an, die aus Elbing Käse bringen, und kleine leichte Boote mit Gemüse und Obst. Sie sind mit einer Art seitlicher Flosse ausgestattet, ähnlich der eines Fisches, um bei stürmischem Wetter auf den hohen Wellen der hiesigen Haffe das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Was für Wasserfahrzeuge gibt es hier nicht alles! Briggs und Schaluppen mit einem bis drei Masten, elegante Dampfer, die wie Vögel im Flug den Pregel durchschneiden und sich geschickt ihren Weg durch den Schwarm anderer, plumperer Schiffchen bahnen, bis sie schließlich, schwer schnaufend aus rauchenden Schornsteinen, anlegen und eine Schar glücklicher Passagiere an Land lassen.

Wie gern möchte man einmal mit diesen Glücklichen eine Flussfahrt nach Pillau und über das Haff unternehmen!

Die Reise nach Pillau – die einzige, die der große Kant in seinem Leben unternahm – war einst ermüdend und langweilig. Man fuhr mit der Postkutsche über Land oder mit dem Raddampfer über das Haff. Heute aber ist sie eines der verlockendsten Ziele für alle, die Königsberg für kurze Zeit verlassen möchten.

Wir aber bleiben in der Stadt und treten durch das turmgekrönte Grüne Tor auf die vornehmste aller hiesigen Straßen, die Kneiphöfische Langgasse, wo wir Gebäude sehen, die an venezianische Paläste erinnern. An der fernen Ostseeküste solch eigentümliche Formen und Linien zu entdecken, wie sie den Bauten an der Adriaküste eigen sind, ist schon an sich ein Wunder.

Wir sehen hier altmodische hohe Häuser im alten fränkischen Zopfstil2. Sie sind mit schneeweißem Putz verkleidet. Wir sehen vornehme Damen, die aus den Fenstern dieser Häuser schauen und die Vorübergehenden durch die Lorgnette mustern. Sehr eigentümlich wirken die hohen Vortreppen mit steinernen Stufen, die man hier Beischläge nennt. Sie ziehen sich an den Straßenfassaden von Haus zu Haus. Das ist der gute alte Hansestil. Die Bewohner der Häuser, besonders die Damen, nutzen diese zusätzlichen Quadratfuß bei schönem Wetter nach italienischer Sitte mit einer Ungezwungenheit, die unserem Norden sonst fremd ist. Selbst im Winter kann man die in dicke Jäckchen gehüllten Fräulein des Kneiphofs stundenlang auf den Beischlägen spazieren sehen, was bei den Passanten stets Bewunderung hervorruft. Wie viele Geschäfte und wie viele Ehen sind dank dieser lieblichen Balkönchen geschlossen worden!

Kneiphöfische Langgasse

Der Kneiphof ist eine von zwei Armen des Pregels umflossene Insel. Sein sumpfiger Boden wurde dem Fluss zunächst durch das Einrammen von Pfählen abgerungen und dann mit Mauern, Türmen und Toren befestigt, von denen heute keine Spur mehr geblieben ist.

Kneiphof1. Kneiphof; 2. Altstadt; 3. Lomse; 4. Vorstadt; 5. Lastadie; 6. Dom.

Außer der großartigen Langgasse gibt es auch in den anderen Straßen hier eine Menge alter Gebäude, das Rathaus mit dem anschließenden Junkerhof – einer Kopie des Danziger Artushofes4 –, in dessen geräumigem Saal regelmäßig Studentenbälle stattfinden.

Nicht weit von hier liegt der Domplatz, über dem sich stolz die hiesige Hauptkirche mit ihrem hohen Turm erhebt. Sie beeindruckt durch ihr Inneres, die Höhe ihrer Gewölbe, schöne Säulen und eine majestätische große Orgel mit fünftausend Pfeifen. In der Grabkapelle, die durch ein eisernes Gitter vom Chor getrennt ist, befinden sich unter drei Gewölben die Gräber der Hochmeister, und darüber erhebt sich das aus Stein gehauene Bildnis Herzog Albrechts. Er ist in Lebensgröße liegend zusammen mit seiner Gemahlin dargestellt. An der nördlichen Außenseite liegt die ehemalige Professorengruft, die Stoa Kantiana5 genannt wird, weil hier im Jahr 1804 Kant beigesetzt wurde. Eine Büste Kants von Schadow6 schmückt den großen Saal des benachbarten Universitätsgebäudes.

Im Langhaus des Doms ist ein seltener Reichtum an vortrefflicher Holzschnitzerei zu sehen. Prächtig sind besonders die Schnitzereien der eichenen Beichtstühle und der Kanzeln der Domherren.

An diesen ehrwürdigen Dom schließen sich die Universitätsgebäude an – die Hörsäle der Albertina, die, sieht man von den Hochschulen Englands ab, eine der besten Universitäten der Welt ist. Freilich findet die Königsberger Universität auch an Schwerfälligkeit und Baufälligkeit ihrer Gebäude kaum ihresgleichen. Nehmen wir zum Beispiel die beiden altersschwachen steinernen Portale, die in den Universitätshof führen und auf denen kaum noch fromme lateinische Inschriften zu lesen sind. Diese Portale tragen den asketischen Charakter düsterer Mönchskollegien und lassen keineswegs auf die Freigebigkeit des Universitätsgründers und seiner Nachfolger schließen. Allerdings ist das Fundament eines neuen Universitätsgebäudes bereits gelegt und von der Hand des Königs geweiht. Vielleicht ist die Stunde nicht mehr fern, da die Königsberger Musen ihr Bettlergewand abwerfen und sich der Welt in neuen Kleidern zeigen.

Über die Krämerbrücke und die Schmiedebrücke gelangt man vom Kneiphof in die Altstadt, deren enge, gewundene Hauptstraße zu einem gemütlichen Park neben der hiesigen Kirche führt.

Er ist bei den Einheimischen als „Muckergarten“ (Muckergarten) bekannt. Im Hintergrund sieht man eine Häuserreihe, über der sich malerisch der Südflügel des Schlosses erhebt. In den Schlosshof gelangt man, indem man einen steilen Hügel erklimmt. Die ereignisreiche Geschichte des Königsberger Schlosses spiegelt sich in der Vielfalt seiner Baustile wider. Fünf vergangene Jahrhunderte haben ihm ihren Stempel aufgedrückt.

So ist die Hälfte des Nordflügels seit der Zeit des Deutschen Ordens im ursprünglichen Zustand erhalten und stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.

Der Ostflügel soll unter Herzog Albrecht in den 1530er Jahren errichtet worden sein. Der neue Flügel an der Südostecke wurde zur Zeit des prachtliebenden Königs Friedrich I. erbaut, der Westflügel unter Markgraf Georg Friedrich Ende des 16. Jahrhunderts. In ihm befindet sich die Schlosskirche, deren Räume von erstaunlich demokratischer Art sind: In den Gewölben unter ihr liegt ein riesiger Weinkeller, und über der gewölbten Decke des Kirchenschiffs der geräumige Moskowitersaal, der für Bälle und Feste bestimmt ist. Er ist größer als der berühmte Gürzenich in Köln7.

Im Nordflügel befinden sich die Räume des Tribunals und des Obergerichts (daher die Darstellungen von Rutenbündeln, den Fasces, zu beiden Seiten des Eingangs). Außerdem sind hier das Geheime Archiv, die Münzsammlung, die Gewerbeschule, der Saal der „Prussia“ und der Saal der Deutschen Gesellschaft untergebracht.

Über dem Haupttor auf der Ostseite liegt der Saal der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft (Physikalisch-Ökonomische Gesellschaft) mit einer großen Normaluhr am Fenster. Die Mitglieder der Königlichen Regierung, das Konsistorium und der Herr Oberpräsident nehmen den Ost- und teilweise den Südflügel ein.

Im dritten Stock des Ostflügels befinden sich die Zimmer zur Unterbringung von Mitgliedern der königlichen Familie.

Schlossteich

Diese moosbedeckten Steinmauern haben viele Male von oben herab auf die wichtigsten Ereignisse der Weltgeschichte geblickt.

Schloss Königsberg1. Schloss; 2. Steindamm; 3. Neue Altstädtische Kirche; 4. Postamt; 5. Münzplatz.

Hier erhielt ein unglücklicher, beschränkter Herzog, als er die hochmütigen Großen um Geld für einen neuen Rock bat, die dreiste Antwort, ein Landesherr könne auch ein geflicktes Gewand tragen.

Hier fand die Krönung des ersten Königs von Preußen statt, und hier wurde der erste Ritter des Schwarzen Adlerordens ausgezeichnet.

Hier, im Moskowitersaal, der ihm zu Ehren so benannt wurde, gab Peter der Große Festmahle. Während des Siebenjährigen Krieges blickten aus den Fenstern dieses Schlosses die russischen Generäle Panin, Korff, Saltykow und Suworow, die als Gouverneure der eroberten Provinz amtierten8.

In diesen Zimmern vergoss die unvergessliche Königin Luise im verhängnisvollen Jahr 1807 Tränen, und das schlichte Klavier, an dem sie in Stunden des Leidens und der Seelenqual Trost suchte, kann man hier noch heute sehen.

In diesem Gebäude vollzog sich im Jahr 1808 das große Werk der politischen Reform – die Städteordnung für die drei Städte Königsbergs –, das Verdienst unserer ruhmreichen Staatsmänner Stein, Schön und Altenstein (Stein, Schön und Altenstein).

Aus dem Fenster dieser hohen Gemächer überblickte Napoleon am 13. Juni 1811 die stolzen Regimenter der Großen Armee, die dem Njemen zueilten. Hinter dem Rücken des französischen Feldherrn sah man den Kopf seines Mamelucken Roustam. Ein tausendfaches Vive L'Empereur! donnerte durch die Luft, und die Sonne warf funkelnde goldene Strahlen auf die siegreichen Adler der Legion der Französischen Garde.

Doch ein halbes Jahr verging, und König Murat in seinem phantastischen bunten Kostüm, das einem Maskenkleid glich, blickte als gehetzter Flüchtling auf die Reste der prächtigen Armee, die, in Lumpen gehüllt, eilig vorbeimarschierte – denn Eile war eine Frage von Leben und Tod! Im Nebenzimmer aber besprachen unterdessen Stein, Schön und Auerswald (Stein, Schön und Auerswald) die Einzelheiten der Volkserhebung.

Von der geräumigen Galerie des 200 Fuß hohen Eckturms aus kann man mehr Land überblicken, als vielen deutschen Fürsten gehört, die im Bundestag Sitz und Stimme haben.

Um elf Uhr vormittags und um neun Uhr abends erklingt von der Galerie des Turms ein frommer Choral über der Stadt, der so manchem frommen Herzen lieblicher erscheinen mag als berühmte klassische Melodien.

Der hiesige Weinkeller hat große Berühmtheit erlangt. Wer seine Weine kennenlernen will, muss sich an den Verwalter des sogenannten „Blutgerichts“ wenden – der Weinstube im Keller unter dem Nordflügel des Schlosses. Mit größter Bereitwilligkeit werden ihm alle Schätze der berühmten Weinsammlung zur Auswahl angeboten, die in einem prächtigen Verzeichnis aufgeführt sind.

Möchte der Gast dieser Weinstube seine Forschungen unter den Gewölben des tiefen Kellers zwischen riesigen Fässern betreiben, die rembrandtsche Schatten werfen, so sollte er sich dorthin begeben, in die „Marterkammern“, von denen dieses „Blutgericht“ seinen Namen hat.

Das Königsberger Schloss beeindruckt durch seine Größe. Zumal es hoch gelegen ist, auf einem Hügel, der praktisch die Mitte der Stadt bildet. Im Winter, wenn Königsberg in den Zustand von Schnee und Eis übergeht, ist der Aufstieg zum Schloss mitunter beschwerlich, und so mancher wagemutige Gipfelstürmer rutscht immer wieder diesen Steilhang hinab.

Unbestreitbar ist auch die Umgebung sehr eindrucksvoll. Auf der einen Seite erhebt sich der Ostflügel des Schlosses mit einem altertümlich geschmückten Durchgangsportal und der Hauptwache in der Mitte. Ihm gegenüber liegen zwischen hohen Bauten die landesherrlichen Marställe, die heute vom Kürassierstab genutzt werden. Ihr Hof ist von einer Mauer mit Gittereinsätzen und Trophäen umgeben. Vor dieser Mauer erhebt sich auf einem Marmorsockel die von Schlüter9 aus Metall geschaffene Statue Friedrichs I. Sie wird vom preußischen Adler und dem Wahlspruch der Herrscher Preußens gekrönt – Suum Cuique10.

Französische Straße

Von hier öffnet sich ein herrlicher Blick auf die elegante Französische Straße mit ihren schicken Geschäften.

Französische Straße1. Französische Straße; 2. Schloss; 3. Schlossteich; 4. Burgkirche; 5. Bergplatz.

Neben dem Schloss breitet sich malerisch der Markt der Altstadt aus, auf drei Seiten von hohen Spitzgiebelhäusern mit balkonartigen Vortreppen und alten Risaliten umgeben. Unter ihnen hebt sich das Rathaus (heute Gerichtsgebäude) hervor, mit einem aus Stein gehauenen Kopf unter der Turmuhr, Japper genannt, der bei jedem Glockenschlag spöttisch die Zunge herausstreckt. Einen ausgezeichneten Hintergrund für diese städtische Sehenswürdigkeit bilden die Hofkonditorei Pomatti mit der Statue Friedrich Wilhelms I. in einer Nische und der Schlossberg, der sich über die Stadt erhebt.

Am östlichen Fuß des Schlossbergs liegt ein weiterer alter Stadtteil – der Löbenicht, in dessen Hauptstraßen noch immer düstere hanseatische Gediegenheit weht. Siebenstöckige Spitzgiebelhäuser schauen einander nachbarlich an und scheinen wie ehrbare Gevatterinnen ihre Freuden und Sorgen miteinander zu besprechen. Zwischen ihnen verlaufen zahlreiche Gässchen, die man hier „Katzensteige“ nennt.

Durch die Löbenichtsche Langgasse donnern immer wieder schwere Bierwagen, denn hier wohnen die berühmten und reichen Königsberger Brauer, in der hiesigen Mundart „Mälzenbräuer“ genannt. Das Löbenichter Bier genießt in Preußen einen ebenso erstklassigen Ruf wie das bayerische. In diesem Viertel liegen die berühmten Bierkeller Königsbergs: Schumachers „Tunnel“ am Schlossberg, die sehr beliebte „Gambrinushalle“ und oben auf dem Löbenichter Hügel die moderne „Phönixhalle“.

Die ganze Gegend kitzelt angenehm unsere Nase mit frischem Bierduft.

Vom Löbenicht aus gelangt man leicht auf den Sackheim. Allerdings bietet dieser ausgedehnte Stadtteil im Ganzen nichts Interessantes. Erwähnenswert ist die katholische Kirche, die mit ihrer Kuppel und der reich geschmückten Fassade recht stattlich wirkt. Neben dem Sackheimer Tor liegen drei wohltätige Anstalten für Bedürftige: die Bülowsche Blindenanstalt, die Taubstummenanstalt und das Waisenhaus. In der langen Königstraße verkündet eine goldene Inschrift an einem großen, unlängst erbauten Gebäude dem Reisenden, dem das Lateinische nicht fremd ist, dass sich hier das Museum und die Kunstakademie befinden.

In den Sälen des Museums wird die Gemäldesammlung des Königsberger Kunstvereins gezeigt sowie eine Sammlung von Gipsabgüssen, die von Rauch11 und Tieck12 zur Verfügung gestellt wurden. Sie sind überwiegend nach antiken Skulpturen der Dresdner Sammlung im Augusteum gefertigt. Vor dem Museum erhebt sich ein Obelisk, den die Provinz Ost- und Westpreußen 1842 ihrem ehemaligen Präsidenten, dem Staatsminister von Schön13, bei seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst errichtet hat. Nicht weit davon befindet sich die Königliche Bibliothek mit etwa 100.000 Bänden, darunter zahlreiche Handschriften und Inkunabeln. Wenn nicht durch ihren Inhalt (die meisten Bücher darin sind altertheologisch), so doch zumindest durch das Edelmetall ihrer Einbände ist diese Sammlung einzigartig – sie ist hier unter dem Namen Silberbibliothek bekannt. Diese frommen Bücher wurden auf Befehl Herzog Albrechts in Silber gekleidet.

Königstor

Der Roßgarten ist eine ebenso breite, gemütliche Straße wie die Königstraße. Er wird vorwiegend von der Königsberger Aristokratie bewohnt.

Roßgarten und Königstraße1. Roßgarten; 2. Schlossteich; 3. Königstraße; 4. Französische Kirche; 5. Kunstakademie.

Doch ehe man die Endpunkte dieser Straßen erblickt – das Königstor und das Roßgärter Tor –, verlieren beide ihren Glanz in einer Reihe unscheinbarer, mitunter sogar ärmlicher Häuser. So kann man auf diesen Straßen spazieren gehen und das Leben gleichsam auf auf- und absteigender Bahn beobachten.

Zu den längsten und geräumigsten Straßen der Stadt gehört auch der Steindamm, der einen wahrhaft bürgerlichen Charakter besitzt. Am Anfang des Steindamms führt uns die Poststraße zu zwei modernen Gebäuden. Das neue Postgebäude ist zweifellos eines der schönsten der ganzen Stadt. Es ist im neuromanischen Stil16 entworfen und wirkt besonders eindrucksvoll, wenn man es vom Hof aus betrachtet, wo der Bau mit zwei Flügeln ein großes offenes Viereck bildet. Eine Uhr mit durchscheinendem Zifferblatt zeigt den Passanten zu jeder Tages- und Nachtzeit die genaue Zeit. Die schräg gegenüber weiter stehende Neue Altstädtische Kirche dagegen ist gewiss kein Meisterwerk Schinkels17. Dieser neugotische Bau wirkt wie ein Bruchstück irgendeines architektonischen Dschungels. Das Äußere der Kirche wirft viele Fragen auf, noch mehr aber das Innere. Mit Ausnahme der Portalfassade mit einem hohen Spitzbogenfenster besteht die gesamte Architektur des Gebäudes aus unruhigen, verworrenen Formen und unglücklichen Verbindungen, in denen sich die Kreuzform kaum erahnen lässt. Die mächtigen Strebepfeiler sind uns ein Rätsel: Sie scheinen nur um ihrer selbst willen errichtet. Und im Inneren sieht man vor lauter Säulen eigentlich die Hauptsache nicht …

Hinter dem Steindammer Tor liegen die sogenannten Hufen, wo die reichsten Patrizier der Stadt sich in ihren prächtigen Sommersitzen von der Last der Sorgen erholen. Es fehlt hier weder an Vergnügungslokalen noch an Ziergärten. Auf dem hiesigen Friedhof befinden sich das Grab Hippels14 sowie die Ruhestätte des großen Astronomen Bessel. Hier auf den Hufen liegt auch der ehemalige Busoltsche Garten15, in dem die preußische Königsfamilie in den unseligen Jahren 1807–1809 Zuflucht fand.

Dem Paradeplatz (oder Königsgarten), dessen Mitte das Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III. schmückt, steht eine glänzende Zukunft bevor. Hier sollen an der Stelle der jetzigen Reitbahn moderne Universitätsgebäude errichtet werden. Das bronzene Reiterstandbild von Kiß18, aufgestellt am 3. August 1851, ist eine weitere monumentale Zierde Königsbergs. Postament und Sockel aus poliertem Granit sind 43 Fuß hoch. Das Pferd, auf dem der Monarch sitzt, ist in ruhiger Haltung dargestellt, nur der rechte Vorderhuf ist ungeduldig in die Luft gehoben. Der König ist mit verblüffender Porträtähnlichkeit wiedergegeben, die Hände des Reiters halten die Zügel fest. Der Mantel fällt in breiter Welle von seiner rechten Schulter. Er verbirgt in malerischen Falten die ästhetische Plumpheit der Generalsuniform. Das Haupt schmückt ein Lorbeerkranz. Das Postament ist durch allegorische Figuren in sechs Teile gegliedert. Vier an den Ecken – Glaube, Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit –, und in der Mitte der beiden Langseiten Borussia19 und Abundantia20. Auf der Vorderseite befindet sich eine Tafel, auf der man unter einem Adler im Lorbeerkranz die Inschrift lesen kann: „Dem Könige Friedrich Wilhelm III. Die dankbaren Preußen. 1841“21. Die Reliefs zeigen Szenen aus dem Leben des Königs und allegorische Figuren. Die historische Treue, mit der Kleidung und Porträt des Königs wiedergegeben sind, verdient alle Bewunderung22.

Doch ebenso unansehnlich wie das Äußere der jetzigen Universität – des Tempels der Wissenschaft in Königsberg – ist auch das Erscheinungsbild seines Tempels der Kunst, des Schauspielhauses.

Betrachtet man das Theater von drei Seiten, so wirkt es sehr rätselhaft: Alles, was man sieht, sind lange, mit einem Dach bedeckte Mauern ohne irgendwelche Fenster, wie bei den Chinesen. Die steinernen Stufen des Haupteingangs führen in ein Vestibül mit Säulen, aus dem man durch drei Türen in die Innenräume gelangt. Diese aber können es getrost mit den schönsten Theatersälen aufnehmen und übertreffen an Größe das Schauspielhaus in Berlin. Glanzstück der Innenausstattung ist ein Kronleuchter mit zweihundert Gasflammen, der einst im Saal des Berliner Treubundes23 hing. Der Leuchter erhellt einen riesigen Saal für 1.800 Zuschauer. Überaus interessant ist übrigens die Geschichte des Königsberger Theaters. Lange Zeit wurde es von Direktoren geleitet, die in ganz Deutschland bekannt waren. Vor allem ist der berühmte August von Kotzebue24 zu nennen, der viel für die Entwicklung der deutschen Schauspiel- und Opernkunst getan und seine Tage so dramatisch beendet hat.

Bezaubernd ist das Gelände am Schlossteich. Er ist ein wahrer Lago Maggiore für Königsberg mit seinem echt nordischen Klima. Von allen Seiten umgeben das Gewässer Gärten mit Terrassenstufen. An der Brücke steht das neue Palais Hartungs25, etwas weiter rechts die stattlichen Gebäude am Münzplatz und in der Französischen Straße. Über ihnen erhebt sich malerisch der Haberturm des Schlosses. Die dicht mit Sträuchern und Bäumen bewachsenen Ufer des weiten Teichs, die Pavillons, Lauben und Altane, die die Wasserfläche umgeben und sich in ihr spiegeln – all das hinterlässt einen unvergesslichen Eindruck.

An warmen Sommerabenden wimmelt der Schlossteich bis tief in die Nacht von Gondeln und Booten, und mögen unsere Gondolieri auch nicht wie ihre venezianischen Kollegen Lieder aus Torquato Tasso26 singen, so erklingen doch hier über dem Wasser fröhliche Studentenlieder, volltönende Männerchöre und das Klingen von Gitarrensaiten. Ein wahrhaft märchenhaftes Schauspiel bietet das Gewässer, wenn die Brücke und die umliegenden Gärten hell erleuchtet sind, Spaziergänger auf ihnen lustwandeln und die Melodien, die durch die Umgebung schallen, das bis dahin schlummernde Echo wecken.

Hinter dem entlegenen Friedländer Tor führt der Weg an Trödlerbuden und Speichern vorbei zum Ochsenmarkt und zur Lindenstraße, wo Simon Dach wohnte, der Dichter und Verfasser des berühmten „Ännchen von Tharau“27. Diese Straßen sind schattige Alleen, die Häuser hier sind reich und solide, großen polierten Geldkästen ähnlich: Denn hier, im stillen Teil der Stadt, leben in behaglicher Abgeschiedenheit einige der bekanntesten Kaufleute und Bankiers. Der weitläufige Viehmarkt am Rand dieser Gegend hat das Aussehen eines kleinen ostpreußischen Provinzstädtchens, das oft aus nichts weiter als einem viereckigen Marktplatz besteht.

Sternwarte

Im entgegengesetzten Teil der Stadt, in einer sehr angenehmen Gegend, liegen der Botanische Garten, das Zoologische Museum, das Anatomische Theater und die Sternwarte.

Neuer Roßgarten1. Botanischer Garten; 2. Zoologisches Museum; 3. Anatomisches Theater; 4. Sternwarte; 5. Neue Roßgärter Kirche.

Werfen wir einen Blick in den Botanischen Garten. Mögen andere botanische Gärten den Königsberger an Reichtum der Sammlungen übertreffen, so steht er ihnen doch an Systematik seiner Bestände und am lieblichen Reiz seines Geländes kaum nach.

Die Aussicht, die sich zwischen zwei reizenden Hügeln öffnet, ist sehr malerisch und zeigt uns den Stadthafen, den Pregel und die grüne Ebene, die sich bis zum Horizont erstreckt. Das von Weinreben umrankte Haus des Direktors des Botanischen Gartens wirkt idyllisch und anmutig wie die Behausung einer Dryade.

Tritt man aus dem Seitentor des Botanischen Gartens, so erblickt man die stattliche Fassade eines Gebäudes im modernen Stil, umgeben von einer dichten Gruppe von Bäumen und Sträuchern. Das ist das Zoologische Museum. Alles, was Gott am fünften Schöpfungstag erschuf, ist hier nahezu vollständig in friedlicher Nachbarschaft vertreten.

Nicht weit von hier liegt auf einer Gartenterrasse die berühmte Königsberger Sternwarte, deren Beobachtungen, als Bessel sie noch leitete, für alle Sternwarten der Welt eine Art astronomisches Evangelium waren. Sie zeichnet sich nicht nur durch die solide äußere Bauweise aus, sondern auch durch ihre wohldurchdachte Lage am höchsten Punkt der Stadt, von wo aus man den Pregel in all seinen Windungen bis zum Haff sehen kann, an dessen Ufern sich Hirtenlandschaften mit üppigen Wiesen, Wäldern, Meiereien und Dörfern ausbreiten.

Im Übrigen ist Königsberg arm an monumentalem und architektonischem Schmuck. Doch seit die unlängst gebaute Eisenbahn diese entlegene Stadt im Osten mit dem übrigen Land verbunden hat, hat hier ein regelrechter Bauboom eingesetzt: Die Zahl der neuen Häuser wächst, und die Stadtviertel verändern ihren Charakter. Doch Schönheit und Stil haben mit diesen neu errichteten Gebäuden nur sehr wenig gemein, obwohl das, was für Künste und Wissenschaften überhaupt gilt, in nicht geringerem Maße auch für die Baukunst gilt. Aber auf diesem Gebiet, seinem innersten Wesen nach rein ideell, hat in unserem industriellen Zeitalter der verächtliche Materialismus die Herrschaft errungen.

Die Bauunternehmungen in Königsberg bilden keine Ausnahme von der allgemeinen Regel. Sie wollen billig bauen und das vorhandene Kapital maximal ausnutzen.

Anmut und Schönheit werden überhaupt nicht berücksichtigt: Das Hauptgewicht liegt auf dem, was praktisch und einträglich ist. Die hiesigen Neubauten gleichen einander in der Regel wie Zwillinge. In diesen eintönigen Kästen, die Stockwerk auf Stockwerk türmen wie in der alttestamentlichen Arche Noah, findet man nur sehr selten Spuren eines eigenen Stils: Es sind Bauten mit der unsichtbaren, aber deutlichen Aufschrift „Geld gesucht!“

Bald aber wird Königsberg als Stadtschmuck ein Denkmal des großen Königsberger Philosophen Kant erhalten. Da vor dem neuen Universitätsgebäude die Statue Herzog Albrechts stehen wird, wird die Vaterstadt das bronzene Standbild eines ihrer größten Mitbürger auf dem Platz bei der Altstädtischen Kirche im Zentrum Königsbergs errichten. Diese Idee verdanken wir dem Mann, der gegenwärtig den Lehrstuhl Kants an der Albertina innehat – Professor Rosenkranz28. Obwohl die Sammlungen für die Errichtung dieses Monuments, einschließlich einer Spende Seiner Majestät des Königs in Höhe von 800 Talern, bereits 9.000 Taler betragen, müssen für das Postament noch 4.000 Taler aufgebracht werden. Allerdings sind noch nicht alle Spenden eingegangen. Hoffen wir das Beste. Die 9 Fuß hohe Statue ist von Rauch11 bereits in Gips ausgeführt und soll in Schlesien in Metall gegossen werden.

Schlossteich

In jeder Hinsicht sehenswert sind die neuen Festungswerke rund um die Stadt, und man sollte die Gelegenheit nicht versäumen, auf dem Erdwall der Befestigungen spazieren zu gehen.

Befestigungen KönigsbergsDrei Linien der Königsberger Befestigungen aus verschiedenen Epochen: 1. Die mittelalterliche, als jede der drei Pregelstädte ihre eigenen Stadtmauern hatte; 2. Der erste gemeinsame Wallring des 17. Jahrhunderts; 3. Der zweite Wallring, erbaut Mitte des 19. Jahrhunderts.

Schon ein flüchtiger Blick auf den Umfang dieses bastionierten Verteidigungssystems muss dem Fremden eine Vorstellung von den Millionen geben, die dafür bereits ausgegeben wurden und noch nötig sein werden. Dieser steinerne Verteidigungsgürtel umschließt die Stadt immer enger. Bewunderung verdienen die vier Schleusendämme, die die zu Befestigungszwecken angelegten Wasserleitungen regulieren.

Die Bastion Grolman und die Defensionskaserne auf dem Exerzierplatz, nach ihrem Bauplatz Herzogsacker (Herzogsacker) genannt [heute Kaserne Kronprinz], sind die wichtigsten Festungswerke zwischen Königstor und Roßgärter Tor29.

Das mittlere Reduit30 der Bastion Grolman mit seinem freien Grundriss, dem vortrefflich ausgeführten steinernen Unterbau, den stattlichen Bogenfenstern und einer luftigen Galerie, die von Flügel zu Flügel über dem flachen, bombensicheren Dach verläuft, wirkt wie ein wahrer Palast.

Gegenüber liegt die Defensionskaserne Herzogsacker [heute Kaserne Kronprinz] mit ihrem wahrhaft zyklopischen Mauerwerk und unzähligen Geschützscharten. Sie liegt an der Schwelle der Stadt wie eine drohende Sphinx mit hundert wachsamen Augen, die drohend um sich blicken.

Das Königstor, im pseudogotischen Stil erbaut und über den Festungswall emporragend, erinnert mit seinen vorspringenden Erkern und anderem Schmuck der Außenmauer an Schloss Stolzenfels31.

In den Nischen des zweiten Geschosses stehen drei Statuen: König Ottokar von Böhmen32, der preußische König Friedrich I. und Herzog Albrecht33. Sie wurden vom Bildhauer Stürmer34 aus Sandstein geschaffen.

Das Sackheimer Tor beeindruckt durch seine Wucht. Es ist ein Denkmal für den tapferen Ludwig Yorck35, der 1813 mit seinem Armeekorps hier eintraf, und für den edlen Freiherrn Bülow von Dennewitz36. Beide Bildnisse sind als Medaillons an den Seiten des Torbogens ausgeführt.

Das Roßgärter Tor ist so elegant gebaut, dass seine Eigenschaft als Festungswerk nicht offensichtlich ist. Der Giebel des Tores ist mit Sandsteinmedaillons geschmückt, die zwei sehr bekannte Helden der Napoleonischen Kriege darstellen, nämlich Scharnhorst39 und Gneisenau40. Etwa 50 Schritte vom Tor entfernt steht der Dohnaturm – ein massiver Bau, der das Ufer des Oberteichs41 ziert. Am gegenüberliegenden Ufer erhebt sich kriegerisch ein Zwillingsturm, der den Namen Wrangels42 trägt.

Dank dieser Befestigungen kann Königsberg wie einst das sagenhafte Troja einer jahrelangen Belagerung standhalten.

 

LEGENDEN PREUSSENS im Blog von Tatjana Koliwai.


ANMERKUNGEN DER ÜBERSETZERIN

1. Friedrich Wilhelm Bessel (Friedrich Wilhelm Bessel; 1784–1846) – deutscher Mathematiker und Astronom, Schüler von Carl Friedrich Gauß. Auswärtiges Mitglied der Royal Society in London (1825), der Pariser Akademie der Wissenschaften (1840; korrespondierendes Mitglied seit 1816), Ehrenmitglied der Petersburger Akademie der Wissenschaften (1814). Wikipedia

2. Zopfstil (dt. Zopfstil, von Zopf) – ein historisch-regionaler Kunststil, der sich in Deutschland und Österreich in der zweiten Hälfte des 18. Jh. verbreitete. Die etwas ironische Bezeichnung entstand aus der damaligen Mode der Männerperücken mit kurzen Zöpfen am österreichischen Hof Kaiser Josephs II. (1765–1790). In Österreich-Ungarn löste der Zopfstil das österreichische oder Wiener Rokoko aus der Regierungszeit Kaiserin Maria Theresias (1741–1780) ab. Wikipedia.

3. Im Russischen versteht man unter diesem Begriff gewöhnlich niedrige Streifen der Meeresküste, die dem Einfluss hoher Fluten oder des Windstaus von Meerwasser ausgesetzt sind. Gosen-Neu Zittau ist eine Gemeinde im Landkreis Oder-Spree im Land Brandenburg. Sie liegt im Tal der Spree, unweit des Oder-Spree-Kanals.

4. Artushof (poln. Dwór Artusa; dt. Artushof; früher auch Junkerhof) – ein Gebäude im Zentrum von Gdańsk, das früher Versammlungsort der Kaufmannschaft war. Der Name stammt aus der im Mittelalter sehr beliebten Sage von König Artus, dem Sinnbild von Rittertum und Galanterie. Zuerst in Großbritannien und Frankreich, dann auch in anderen Ländern Europas benannte man nach ihm Häuser, in denen sich Ritter und Adlige versammelten. Der bekannteste war der Artushof in Danzig. Wikipedia

5. Wörtl. „Säulenhalle Kants“. Stoa (griech. Στοά – „Säulenhalle“) – in der antiken Architektur eine lange Galerie-Säulenhalle, meist mit ein oder zwei Säulenreihen und einer Wand an einer der Langseiten; eine überdachte Kolonnade.

6. Johann Gottfried Schadow (dt. Johann Gottfried Schadow; 1764–1850) – deutscher Bildhauer, Pädagoge und Kunsttheoretiker. Vertreter des akademischen Klassizismus. Er war Begründer und einer der Hauptvertreter der Berliner klassizistischen Bildhauerschule des frühen 19. Jahrhunderts, des sogenannten preußischen Hellenismus. Wikipedia

7. Der Gürzenich (Gürzenich) wurde von 1441 bis 1447 auf einem Grundstück der Familie Gürzenich als städtisches Fest- und Tanzhaus erbaut. Das Äußere des Gebäudes ist im klassischen Stil der Spätgotik gehalten. Im Ballsaal des Obergeschosses empfing man Ehrengäste aus Köln, feierten Kaiser, Fürsten und Bürger Feste, fanden Krönungszeremonien statt, tagten Gerichte und der Reichstag. Im 17. Jahrhundert diente er ausschließlich als Kaufhaus. Um 1820 wurde die Tradition des mittelalterlichen Festhauses wiederbelebt.

8. W. I. Suworow, der Vater des großen Feldherrn, war 1760–61 Gouverneur Ostpreußens. Weder S. F. Apraxin noch von Sass waren Gouverneure Ostpreußens.

9. Andreas Schlüter (dt. Andreas Schlüter; 1634–1714) – deutscher Bildhauer und Architekt, ein herausragender Vertreter des norddeutschen Barocks. Im Jahr 1697 schuf Schlüter die Bronzestatue des Kurfürsten Friedrich III. für Königsberg. In diesem Denkmal tritt Schlüter als Apologet der militärischen Macht und des Absolutismus der preußischen Monarchie auf. In der Statue des Großen Kurfürsten wollte er das Bild eines furchtgebietenden und weisen Herrschers schaffen. In antike Gewänder gekleidet, mit prächtiger Perücke, sitzt der Herrscher Preußens feierlich auf einem langsam schreitenden Pferd. Das Postament des Denkmals ist mit großen dekorativen Voluten und vier Figuren gefesselter Sklaven geschmückt, die die verschiedenen Temperamente und die vom Kurfürsten unterworfenen Völker symbolisieren. Wikipedia

10. Suum Cuique – „Jedem das Seine“ /lat./

11. Christian Daniel Rauch (dt. Christian Daniel Rauch; 1777–1857) – deutscher Bildhauer des akademischen Klassizismus. Zusammen mit seinem Lehrer Johann Gottfried Schadow war er Begründer und einer der Hauptvertreter der Berliner klassizistischen Bildhauerschule des frühen 19. Jahrhunderts, des sogenannten preußischen Hellenismus. Wikipedia

12. Christian Friedrich Tieck (dt. Christian Friedrich Tieck; 1776–1851) – deutscher Bildhauer des akademischen Klassizismus. Zusammen mit seinem Lehrer Johann Gottfried Schadow war er einer der Hauptvertreter der Berliner klassizistischen Bildhauerschule des frühen 19. Jahrhunderts, des sogenannten preußischen Hellenismus. Er spezialisierte sich auf Porträtskulpturen und trug viel zur Ausgestaltung zahlreicher Bauten des Architekten Karl Friedrich Schinkel bei. Jüngerer Bruder des bekannten romantischen Schriftstellers Ludwig Johann Tieck. Wikipedia

13. Heinrich Theodor von Schön (Heinrich Theodor von Schön; 1773–1856) – preußischer Staatsmann. Wikipedia

14. Theodor Gottlieb von Hippel (dt. Theodor Gottlieb von Hippel; 1741–1796) – deutscher Staatsmann, Schriftsteller und Kritiker. Bürgermeister von Königsberg. Wikipedia

15. Der Busoltsche Garten wurde von Hippel angelegt. Benannt ist er nach seinem nächsten Besitzer, Busolt.

16. Rundbogenstil (Rundbogenstil) – siehe Neuromanik. Wikipedia.

17. Karl Friedrich Schinkel (dt. Karl Friedrich Schinkel; 1781–1841) – deutscher Architekt, Maler, Zeichner und Bühnenbildner. Er gilt als führender Vertreter des „romantischen Historismus“ in der deutschen Baukunst: Er arbeitete in den Stilen der Neugotik und der Neorenaissance und war der Hauptvertreter des Architekturstils des preußischen Hellenismus. Schinkels Schaffen übte tiefen Einfluss auf die offizielle Architektur und alle Kunstgattungen jener Zeit aus; infolgedessen herrschte in der Kunst des Königreichs Preußen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der zurückhaltende klassische Stil vor. Wikipedia

18. August Kiß (dt. August Kiß; 1802–1865) – deutscher Bildhauer.

19. Borussia – lateinischer Name Preußens.

20. Abundantia – römische Göttin des Überflusses und des Erfolgs.

21. ”Ihrem König Friedrich Wilhelm III. die dankbaren Preußen. 1841”

22. Ausführlich über dieses Denkmal kann man im Artikel unter diesem Link lesen

23. Treubund – eine Vereinigung, die Ende 1848 in Berlin von Menschen mit antidemokratischen Neigungen, Anhängern eines ausgeprägten Preußentums, gegründet wurde. Ursprünglich hieß sie Royalistischer Verein, doch bald nach ihrer Gründung, im Februar 1849, nannte sie sich „Bund für König und Vaterland“. Ziel des Bundes war die Festigung der Treue zum König, die Sicherung der sittlichen Erziehung des Volkes und das Wohlergehen aller Bürger. Mitglied konnte jeder Preuße über 20 Jahre werden.

24. August Friedrich Ferdinand von Kotzebue (dt. August Friedrich Ferdinand von Kotzebue; 1761–1819) – deutscher Dramatiker und Romanautor, schrieb mehrere populäre Dramen. Zu seiner Zeit war er sogar beliebter als Goethe oder Schiller. Er hatte im Russischen Kaiserreich den Rang eines Hofrats. Vater des russischen Seefahrers O. J. Kotzebue.

25. Johann Heinrich Hartung (dt. Johann Heinrich Hartung; 1699–1756) – deutscher Verleger und Druckereibesitzer in Königsberg.

26. Torquato Tasso (ital. Torquato Tasso; 1544–1595) – italienischer Dichter des 16. Jh., Schriftsteller, Dramatiker und Philosoph.

27. „Ännchen von Tharau“ – ein Lied nach einem Gedicht des ostpreußischen Dichters Simon Dach. Es hatte einen spürbaren Einfluss auf die Vorstellungen vom deutschen Volkslied im 19. und 20. Jahrhundert.

28. Johann Karl Friedrich Rosenkranz (dt. Johann Karl Friedrich Rosenkranz; 1805–1879) – deutscher Philosoph. Er war Professor der Philosophie und hatte den Lehrstuhl Kants an der Albertina, der Universität Königsberg, inne. Wikipedia

29. Am 5. April 1843 wurde das Projekt für den Bau des neuen Königsberger Wallrings genehmigt. Die Bauarbeiten begannen offiziell am 15. Oktober 1843 mit der feierlichen Grundsteinlegung der Defensionskaserne, die damals nach ihrem Bauplatz „Herzogsacker“ (Herzogsacker) hieß. Später wurde sie in Kronprinz (Kronprinz) umbenannt. Diese Defensionskaserne diente, wie schon ihr Name sagt, der Unterbringung von Truppen und wurde im Fall eines Sturms auf die Stadt zu einem Festungswerk der zweiten Linie, das die Fronten der vor ihr gelegenen Bastion Grolman (Grolman Bastion) mit Feuer unterstützte. Fast gleichzeitig fand auch die zweite Grundsteinlegung eines Festungswerks statt – die des Königstores (Königstor). Link

30. Reduit (franz. réduit – Zuflucht) – eine innere Befestigung, die in geschlossenen Befestigungswerken für den Kampf in deren Innerem und zur Verstärkung ihrer inneren Verteidigung angelegt wurde. Ursprünglich sollte das Reduit der von allen Seiten angegriffenen und bedrängten Besatzung als Zuflucht dienen. Unter einem Reduit versteht man auch jeden befestigten Punkt, der hinter den Hauptbefestigungen liegt und das letzte Bollwerk der Verteidigung bildet. Link

31. Schloss Stolzenfels (dt. Schloss Stolzenfels) liegt über dem gleichnamigen Stadtteil von Koblenz am linken Rheinufer gegenüber der Lahnmündung. Die Burg wurde 1242–1259 von Erzbischof Arnold II. von Trier als Sommerresidenz erbaut. Starken Einfluss auf den romantischen Stil des Bauwerks hatte die englische Neugotik. Die Zimmer der Sommerresidenz waren mit wertvollen Möbeln und Gemälden ausgestattet. Der eindrucksvollste Raum war der Rittersaal mit den dort ausgestellten alten Rüstungen. Wikipedia

32. König Přemysl Ottokar II. von Böhmen (1233–1278). Herzog von Österreich vom 6. Dezember 1250 bis zum 21. November 1276, König von Böhmen seit dem 22. September 1253, Herzog der Steiermark 1260–1276, Herzog von Kärnten und Krain 1269–1276, aus der Dynastie der Přemysliden.

33. Albrecht von Brandenburg-Ansbach (dt. Albrecht von Brandenburg-Ansbach; 1490–1568) – letzter Hochmeister des Deutschen Ordens und erster Herzog in Preußen.

34. Wilhelm Ludwig Stürmer /Wilhelm Ludwig Stuermer/ (1812–1864). Berühmter deutscher Bildhauer. Hofbildhauer König Friedrich Wilhelms IV.

35. Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (dt. Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg; 1759–1830) – preußischer Generalfeldmarschall der Zeit der Napoleonischen Kriege.

36. Friedrich Wilhelm von Bülow, Graf von Dennewitz (dt. Friedrich Wilhelm Freiherr von Bülow, Graf von Dennewitz; 1755–1816) – Freiherr, später Graf von Dennewitz (7. August 1814), preußischer General der Infanterie (4. April 1814). Zu Ehren der Schlacht bei Dennewitz wurde Bülow in Brandenburg ein Denkmal errichtet. Bülows Namen trug eine Straße im Sackheim (heute Stekolnaja-Straße). Im Gebiet Kaliningrad, in der Siedlung Roschtschino, ist das Stammgut der von Bülow – Grünhoff – teilweise erhalten und wird wiederhergestellt. Wikipedia

37. Kaponniere, Caponniere, franz. caponnière – ein gewölbter Steinbau im trockenen Festungsgraben zur Längsbestreichung des Grabens bei der Abwehr eines Sturms.

38. Im Stadtteil Sackheim wurde am Ufer des Pregels ein Zollposten eingerichtet, der den Namen „Littauer Baum“ (dt. Littauer Baum) erhielt.

39. Gerhard Johann David von Scharnhorst (Gerhard Johann David von Scharnhorst; 1755–1813) – General, seit 1801 in preußischen Diensten. Als erster Chef des preußischen Generalstabs war er bekannt für seine militärischen Theorien und Reformen der preußischen Armee sowie für deren Führung während der Napoleonischen Kriege.

40. August Wilhelm Antonius Graf Neidhardt von Gneisenau (dt. August Neidhardt von Gneisenau; 1760–1831) – preußischer Heerführer (Generalfeldmarschall) der Zeit der Napoleonischen Kriege.

41. Dohnaturm (dt. Dohnaturm). Benannt nach dem preußischen Generalfeldmarschall Friedrich Karl zu Dohna. Erbaut 1853. Er liegt am Ufer des Oberteichs. Wikipedia.

42. Wrangelturm – historischer Name: Wrangelturm. Baujahr: 1853–1859.


Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.