Wappen von Neue Sorge
im Königsberger Wappen in der unteren Reihe in der Mitte.
Sicher bekannt ist dagegen, dass sich im 16. Jahrhundert an der Stelle des späteren Stadtteils Neue Sorge / Neue Sorge herzogliche (staatliche) landwirtschaftliche Flächen befanden, schlicht gesagt Ackerland. Damals nannte man sie Kalthöfischer Acker / Kalthöfischer Acker (die Kalthöfer Äcker). 300 Jahre später sollte zur Erinnerung an den herzoglichen Besitz der Teil des Geländes, der in dem entstandenen Neue Sorge nicht bebaut wurde, Herzogs-Acker / Herzogs-Acker heißen. Die Verwandlung der herzoglichen Weiden in eine Freiheit (eine vorstädtische Siedlung) hängt eng mit dem Wirken der brandenburgischen Kurfürsten in Ostpreußen zusammen, vor allem mit den Heiratsaffären von Vater und Sohn, Joachim Friedrich (1546–1608) und Johann Sigismund (1572–1619). Selbst in Brandenburg war klar, dass die preußische Herzogskrone wegen der Krankheit Herzog Albrecht Friedrichs (1553–1618) und seines Mangels an Erben sehr bald ohne Träger sein könnte. Deshalb verheiratete Joachim Friedrich seinen Sohn vorsorglich 1594 mit der ersten Tochter Albrecht Friedrichs, Anna von Preußen (1576–1625). Doch am 25. April 1603 starb Georg Friedrich (1539–1603), der Regent für den kranken Herzog gewesen war. Gleich mehrere vornehme europäische Häuser erhoben den Anspruch, einen ihrer Vertreter als Regenten auf den preußischen Thron zu setzen. Da äußerte der 1602 verwitwete Kurfürst von Brandenburg Joachim Friedrich selbst den Wunsch, die vierte Tochter Albrecht Friedrichs, Eleonore von Preußen (1583–1607), zu ehelichen. Weder ihn noch sonst jemanden störte es in jenen Jahren, dass der Bräutigam 37 Jahre älter war als die Braut und sieben Jahre älter als ihr Vater, und ebenso wenig, dass er auf diese Weise zum Schwager seines eigenen Sohnes wurde.
Neue Sorge auf der Rekonstruktion einer Karte der Städte, Freiheiten und Stadtteile Königsbergs vor der Vereinigung 1724.
Herzogs Ackerauf dem Königsberger Stadtplan von 1809, noch ohne die Kaserne „Kronprinz“.
Dafür erlaubte die enge Verwandtschaft mit der Familie des Herzogs Joachim Friedrich, beim polnischen König um das Recht der Regentschaft für den regierungsunfähigen Albrecht Friedrich nachzusuchen. Dieses Recht erhielt er 1605 nach langen Verhandlungen mit der polnischen Seite.
Neue Sorge und Herzogs-Acker auf dem Königsberger Stadtplan von 1885.
Nur überlebte er den rechtmäßigen Herzog nicht und konnte das neue Amt lediglich drei Jahre lang ausüben. Dafür erhielt sein Sohn Johann Sigismund, der zugleich Erbe des bisherigen Regenten und Schwiegersohn des bevormundeten Herzogs war, das Amt des Regenten nun ohne lange Verzögerungen. Allerdings gab es zwei Umstände, die ihn daran hindern konnten, nach dem Tod des Herzogs selbst dessen Platz einzunehmen: Erstens war er Calvinist, was für die Lutheraner jener Jahre schlimmer war, als wenn er Katholik gewesen wäre; zweitens wollte die einheimische Adelsspitze in Preußen überhaupt weder einen Regenten noch einen Herzog aus Brandenburg sehen, sondern strebte den Weg einer „Adelsrepublik“ mit einem gewählten Monarchen und beschränkter Macht an. Und eben um sich die Unterstützung der vornehmsten und reichsten Geschlechter Königsbergs zu sichern, begann Johann Sigismund, überaus wertvolle Ländereien aus dem „herzoglichen Fonds“ zu verteilen. Diese Landvergabe brachte zweifellos den Tag (16. Oktober 1612) näher, an dem die Königsberger Stände nach einem Jahr des Gezänks dem neuen Regenten endlich huldigten. Übrigens heißt dieser Stadtteil auf dem Stadtplan von Bering (1613) bereits Neusorg / Neusorg. Nach dem Tod Herzog Albrecht Friedrichs 1618 erreichte Johann Sigismund, dass der Titel des Herzogs in Preußen auf die brandenburgische Linie der Hohenzollern überging.
Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass Wert und Ansehen der Besitzungen in Neue Sorge mit dem Bau der 1. Wallumwallung (oder anders: des 1. Bastionsgürtels) um Königsberg und seine Vorstädte in den Jahren 1626–36 stiegen. Nach ihrem Bau lag Neue Sorge innerhalb der Königsberger Wallbefestigungen und wurde zu deren nordöstlichem Grenzbezirk. Zwar reichte die Bebauung von Neue Sorge damals noch nicht einmal an den Stadtwall heran, doch muss man dem Mathematiker und Festungsbaumeister Johann Strauß / Johann Strauss (1590–1630) Anerkennung zollen: Er blickte viele Jahre voraus und entwarf den Verlauf der Wälle und Bastionen so, dass er 200 Jahre später nur geringfügig korrigiert wurde, im Ganzen aber die Stadtgrenzen für fast drei Jahrhunderte bestimmte. Im nordöstlichen Teil reichten die Grenzen von Neue Sorge nicht bis an die Wallbefestigungen selbst heran; hier lagen zwischen beiden die herzoglichen landwirtschaftlichen Flächen, eben jener Herzogs-Acker. Auf dem Abschnitt vor Neue Sorge und dem Herzogs-Acker bestand die Umwallung aus vier Bastionen und dem Tor Neu Sorge / Neu Sorge Thor (Schreibweise des 17.–18. Jahrhunderts). Über dieses Stadttor sollte ausführlicher berichtet werden. Wie die anderen Tore des alten Bastionsrings war es aus Holz und mit Erde umwallt. Doch als einziges der Stadttore der ersten Wallbefestigungen wurde es im Laufe der Zeit an einen anderen Ort verlegt, und zwar noch bevor die Erdbastionen vom zweiten Bastionsgürtel abgelöst wurden.
Das alte Gebäude der Königsberger Kunstakademie in der Königstraße.
Das Tor Neue Sorge stand dort, wo heute die rechte Flanke der Kaserne „Kronprinz“ an die Straße Litowski Wal grenzt.
Das Königstor Mitte des 19. Jahrhunderts.
Auf dem heutigen Stadtplan wirkt seine Lage unlogisch, denn um durch dieses Tor in Richtung Gurjewsk (Neuhausen / Neuhausen) zu fahren, hätte man innerhalb der Stadt einen Bogen nach links und dann außerhalb der Stadt wieder nach rechts machen müssen, was den Weg erheblich verlängert hätte. Doch damals führte die Hauptstraße von Neue Sorge geradewegs auf dieses Tor zu. Abbildungen des Tores Neue Sorge sind nicht überliefert; nach den Stadtplänen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu urteilen, war es jedoch bescheidener als das benachbarte Roßgärter und das Sackheimer Tor.
Der Status des neuen Stadtteils wurde unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm erheblich aufgewertet. Er war es, der Neue Sorge 1662 zur herzoglichen Freiheit machte – einer Siedlung ohne Stadtrecht, aber mit einigen städtischen Attributen, die für Neue Sorge in einem Gerichtssiegel und dem darauf abgebildeten eigenen Wappen des Stadtteils bestanden. Das Wappen zeigte (in der überlieferten Fassung) auf weißem Feld eine Hand, die aus einer Wolke ein Winkelmaß hält, und zwei Augen. Etwa zur gleichen Zeit erhielt auch der Kalthöfischer Acker endgültig den Namen Neue Sorge. In Königsberg verband man diesen Namen mit Bogusław Radziwiłł (1620–69), einem litauischen Magnaten, den der von ständigen Kriegen beanspruchte Kurfürst Friedrich Wilhelm 1657 zu seinem Statthalter in Preußen ernannt hatte. Der Legende nach rief Radziwiłł, als man ihm mitteilte, dass ihm nun eine neue Freiheit unterstehen werde: „Wieder eine neue Sorge!“ (Schon wieder eine Sorge!). Allerdings kann das deutsche Wort Sorge in einem bestimmten Zusammenhang auch „Wirtschaft“ oder „Unternehmen“ bedeuten, und so wollen wir uns darauf einigen, dass Neue Sorge in dieser Version der Namensherkunft „Neue Wirtschaft“ bedeutet. Doch diese schöne Königsberger Legende wird von dem oben erwähnten Stadtplan Berings, der 49 Jahre vor diesem Ereignis erschien, gründlich widerlegt – dort ist bereits von Neusorg die Rede.
Und wieder ein Zufall: Neue Sorge erhält den Status einer Freiheit gerade in der Zeit, als der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm mit dem Königsberger Adel und Bürgertum rang, die sich weigerten, ihm als rechtmäßigem Herzog in Preußen zu huldigen.
Königstraße 28. Das Gebäude des Provinziallandtags (Landeshaus).
Als Antwort darauf beginnt Friedrich Wilhelm, die herzoglichen Ländereien in Neue Sorge an diejenigen zu vergeben, die bereit sind, ihn als ihren Lehnsherrn anzuerkennen, wobei er sich natürlich in erster Linie an die vornehmsten und reichsten Familien hält.
Das Gymnasium „Friedrichskollegium“ in der Jägerhofstraße.
Zählt man nur einige der Adligen auf, die damals in Neue Sorge Grundstücke für Palais und Herrenhäuser erhielten, so erkennt man sofort Familiennamen, die schon aus der Ordenszeit vertraut sind, sowie solche, die künftig immer wieder in der Geschichte Preußens auftauchen werden: Polenz / Polenz, Wallenrodt / Wallenrodt, Kanitz / Kanitz, Schlieben / Schlieben, Röder / Röder, Goltz / Goltz, Lesgewang / Lesgewang, Flanß / Flanß und viele andere. Später konnte sich dieser Stadtteil an Zahl reicher Häuser und barocker Palais mit der bis dahin vornehmsten Schlossfreiheit messen – der Burgfreiheit / Burgfreiheit.
Und doch wurde Neue Sorge, wie eine Reihe anderer Freiheiten, anfangs nur langsam bebaut, und ein beträchtlicher Teil seines Geländes diente weiterhin typisch ländlichen Zwecken: als Viehweide, zur Heugewinnung, zum Getreideanbau und für Gärten. Viele der vom Kurfürsten hier mit Land beschenkten Adligen und Bürger besaßen bereits Häuser näher am Schloss und verkauften oder verpachteten daher die neuen Grundstücke. Darin lag für den Schenkenden nichts Kränkendes, denn das Land wurde ja gerade deshalb vergeben, damit die durch dieses Geschenk begünstigten Adligen ihr Vermögen mehren konnten. Wie in anderen Freiheiten wurde in Neue Sorge zuerst die Hauptstraße der Freiheit bebaut, die ebenfalls den Namen Neue Sorge trug. Damals war sie schnurgerade und führte zum gleichnamigen Stadttor (Neue Sorge). Außerdem wurde im westlichen Teil der Freiheit, näher am Schloss Königsberg, eifrig gebaut. Eine eigene Kirche hatte Neue Sorge nicht, die Bewohner der Freiheit gehörten zur Roßgärter Gemeinde. Angesichts der geringen Einwohnerzahl von Neue Sorge und der Nähe der Roßgärter Kirche war dies jedoch keine besondere Unannehmlichkeit.
Am 13.06.1724 wurden die drei Pregelstädte mit ihren Freiheiten zu einer einheitlichen Stadt Königsberg vereinigt. Die staatlichen Freiheiten, zu denen auch Neue Sorge gehörte, lagen nun auf städtischem Gebiet, unterstanden aber bis zur Städtereform von 1808 dem König, dessen Vertreter den königlichen Besitz vom Schloss aus verwalteten. Dieser Zustand blieb bestehen, weil die Magistrate auf Initiativen des Königs, auf städtischem Gebiet irgendwelche Objekte von staatlicher Bedeutung zu errichten, äußerst widerwillig reagierten.
Eine kleine Straßenbahn in der Königstraße. Bis zum Königstor fuhr hier die Linie 6, bis zum Flughafen Devau die Linie 2.
Obwohl das mittelalterliche Kulmer Stadtrecht de jure 1620 zu bestehen aufhörte, beruhten alle neuen städtischen Ordnungen auf die eine oder andere Weise auf ihm und setzten eine weitgehende Autonomie der Magistrate voraus.
Königstraße 53. Der Südeingang der Königsberger Passage.
Kaum hatte der König angedeutet, dass in der Stadt eine staatliche Einrichtung untergebracht werden müsse, begann ein monatelanges Feilschen. Die Bürger holten aus den städtischen Archiven alte Urkunden und neuere Edikte über ihre Rechte und Privilegien hervor und verlangten gestützt auf deren Bestimmungen vom König Gegenzugeständnisse. Auf dem Gebiet der staatlichen Freiheiten dagegen gab es für den Monarchen keinerlei Beschränkungen.
1733 stellte König Friedrich Wilhelm I., selbst Calvinist, 12 000 Taler für den Bau einer reformierten Kirche für die französische Gemeinde Königsbergs bereit. Das war etwas weniger als 2/3 der gesamten Baukosten. Mit dem Bau wurde der königliche Baumeister Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt / von Unfriedt (1678–1753) beauftragt. Das Gebäude im Rokokostil wurde 1733–36 ganz am Anfang der Straße Neue Sorge errichtet. Gleichzeitig wurde neben der Kirche Land für einen reformierten Friedhof ausgewiesen. Die Weihe der Französisch-reformierten Kirche fand am 29. Juli 1736 in Anwesenheit des Königs selbst statt. Bis 1817 wurde hier ausschließlich auf Französisch gepredigt. 70 Jahre später sollten sich die königlichen Investitionen (jene 12 000) mehr als bezahlt machen: Gerade der Pfarrer der Königsberger Französischen Kirche, La Canal / La Canal, sollte Napoleon überzeugen, die Kontribution Preußens nach dem Frieden von Tilsit (1807) um 8 Mio. Franc zu senken.
Am 11. November 1764 brach gegen sieben Uhr abends wegen nicht gelöschter Kohlen auf einem der Schiffe, die am Kai in der Lastadie lagen, ein Feuer aus. Der Sturmwind, der an jenem Abend in Richtung Löbenicht wehte, trug das Feuer von dem brennenden Schiff auf die nächstgelegenen Gebäude über. Von Haus zu Haus springend zog der Brand nach Osten, und zusammen mit den benachbarten Freiheiten ging auch Neue Sorge in Flammen auf. Der Brand war so verheerend, dass sich danach sogar das Straßennetz des Stadtteils veränderte. Beim Wiederaufbau der Viertel verlagerte sich die Hauptstraße, die nach wie vor Neue Sorge hieß, nach Süden und verlief nun vom Stadtzentrum genau nach Osten.

Durch die Passage gelangte man von der Königstraße zum Vorder Roßgarten und zurück (siehe unten).
Wie die frühere Neue Sorge war sie gerade und breit, endete aber am Stadtwall. Von ihr zweigten die Straßen Jägershof und Kalthöfsche Gasse ab. Letztere führte in einem Bogen zum Stadttor Neue Sorge.

1901 . 1 – Passage; 2 – Französisch-reformierte Kirche (Ecke Tjulenina- und Frunse-Straße); 3 – Kunstakademie (Ecke Frunse-Straße und Straße des 9. April); 4 – Restaurant „Deutsche Ressource“; 5 – Gymnasium „Friedrichskollegium“; 6 – Prussia-Museum; 7 – Landhofmeisterstraße (Tjulenina-Straße); 8 – Vorder Roßgarten (Klinitscheskaja-Straße); 9 – Königstraße (Frunse-Straße); 10 – Provinziallandtag (Landeshaus).
Diese Unannehmlichkeit währte allerdings nicht lange: Schon 1765 wurde in den Stadtwall dort, wo die Straße Neue Sorge auf ihn traf, ein Durchlass gegraben, an dessen Stelle das Gumbinner Tor / Gumbinner Tor errichtet wurde. Das alte Tor Neue Sorge wurde danach zugeschüttet.
Nachdem Preußen und Russland am 14. Juli 1807 in der Schlacht bei Friedland / Friedland (Prawdinsk) den Vierten Koalitionskrieg (1806–07) verloren hatten, wurde der Friede von Tilsit geschlossen. Die Bestimmungen dieses Friedensvertrags hielten, soweit sie Preußen betrafen, dessen vollständige Kapitulation fest, und zwar sogar ohne Beteiligung der preußischen Seite. Napoleon gestattete den Fortbestand der preußischen Staatlichkeit unter der zwingenden Bedingung eines Militärbündnisses zwischen Preußen und Frankreich. Die Friedensbedingungen spalteten die preußische Oberschicht. Manche Vertreter militärischer und politischer Kreise hielten es für unmöglich, dem König (und Napoleon als Verbündetem) zu dienen, verließen den Dienst, und ein Teil von ihnen trat in die Dienste des russischen Kaisers Alexander I. Die Masse der Militärs und Politiker aber war der Ansicht, dass der richtige Augenblick für Reformen und eine Erneuerung des preußischen Staatswesens gekommen sei. Zumal Napoleon selbst ein Befürworter tiefgreifender Reformen der konservativen europäischen Staaten war. Unter dem Druck von zwei Seiten ging König Friedrich Wilhelm III., der unter anderen Umständen keinerlei Reformen gebraucht hätte, auf die Einsetzung einer besonderen staatlichen Kommission ein, die sich der Reform des preußischen Militär- und Verwaltungswesens annahm. Es gab noch eine dritte Seite, die den Reformkurs unterstützte und Druck auf den König ausübte – seine Gemahlin, Königin Luise. Die Reformen in Preußen waren gemäßigt bürgerlich und noch gemäßigter demokratisch. Sie tasteten Macht und Stellung des Monarchen in keiner Weise an, sollten aber das Volk Preußens festigen und es in staatlichen Interessen um die Gestalt des Königs vereinen. Für Neue Sorge bestanden die Folgen dieser Reformen in der Änderung des Status von einer königlichen Freiheit zu einem städtischen Stadtteil (19.11.1808), in der Umbenennung des Gumbinner Tores in Königstor (1811) sowie in einer weiteren Umbenennung der Hauptstraße, die ebenfalls zur „königlichen“ wurde – zur Königstraße. Außerdem entstanden in Neue Sorge Einrichtungen der kurz zuvor geschaffenen Landwehr – der militärischen Reserve zweiten Aufgebots – und der reformierten preußischen regulären Armee.
Die Kaserne „Kronprinz“ im Herbst 2024 – eigentlich keine Ruine, aber sie sieht traurig aus.
Am 30. August 1843 fand vor dem Königstor eine feierliche Zeremonie statt, mit der der Bau der zweiten Umwallung Königsbergs begann. Obwohl in Wirklichkeit alles schon 9 Jahre früher angefangen hatte.
Gruppenbild von Soldaten vor der Kaserne „Kronprinz“ (1915).
1834 verfassten die Königsberger Stände eine Petition an König Friedrich Wilhelm III. über die Verstärkung der Königsberger Festungsanlagen. Übergeben wurde sie aber erst dem nächsten König, Friedrich Wilhelm IV., als er 1840 zur Huldigung seiner Untertanen nach Königsberg kam. Am 19.12.1841 wurde eine Kommission bestätigt, der die Generale der Infanterie Karl Wilhelm Georg von Grolman / Grolman (1777–1843) und Johann Wilhelm von Krauseneck / Krauseneck (1774–1850) sowie der Chef des Ingenieurkorps, Generalleutnant Ernst Ludwig von Aster / Aster (1778–1855), angehörten. Letzterer wurde zum Verfasser des Gesamtentwurfs der neuen Festungsanlagen Königsbergs. Am 17.03.1842 wurde eine einjährige Frist für Änderungen, die Detailausarbeitung und die Annahme von Asters Entwurf festgesetzt, und am 05.04.1843 wurde dieser Entwurf genehmigt. Außer der feierlichen Zeremonie vor dem Königstor gab es noch eine weitere auf dem Herzogs-Acker. Hier wurde am 15. November 1843 der Grundstein für die künftige Defensionskaserne „Kronprinz“ gelegt. Eigentlich gab gerade dieses Ereignis den Startschuss für den groß angelegten Bau der Bastionsumwallung, der offiziell erst 1862 abgeschlossen wurde, auf der Insel Lomse / Lomse (Oktjabrski) aber bis 1889 andauerte.
Heute ist an der Kaserne „Kronprinz“ eine seltsame, wenn auch offizielle Tafel zu sehen: „FESTUNG FRIEDRICHS DES GROSSEN 1759“ (siehe unten). Darin steckt kein einziges wahres Wort. Eine Festung war nach Abschluss des Baus die ganze Stadt Königsberg. Eine Defensionskaserne ist eine eigene Art von Befestigungsbau, ebenso wie etwa eine Bastion oder ein Ravelin. 1759 lagen bis zu ihrem Bau noch genau 84 Jahre. Und auch mit König Friedrich II. dem Großen hat sie nichts zu tun – benannt wurde sie nach Kronprinz Wilhelm, dem späteren preußischen König und ersten Deutschen Kaiser Wilhelm I. (1797–1888).
Die „seltsame“ Tafel an der Kaserne „Kronprinz“.
Die Kaserne hatte zwei Hauptaufgaben: In Friedenszeiten diente sie zur Unterbringung der Mannschaften und für Exerzierübungen, und im Falle einer Belagerung der Festungsstadt ermöglichten ihre Scharten und ihre obere Plattform ein gestaffeltes Artillerie- und Gewehrfeuer über die Wälle der vor ihr liegenden Bastion „Grolman“ hinweg.
Baracken an der Bastion „Grolman“.
In der Möglichkeit eines solchen Feuers bestand einer der wichtigen Unterschiede der neuen Bastionsfront gegenüber dem hier seit dem 17. Jahrhundert bestehenden alten Bastionsgürtel. Das einfache Bastionärsystem hatte nämlich schon im 18. Jahrhundert seine Verteidigungsfähigkeit endgültig eingebüßt.
Die Entwicklung der Feld- und Belagerungsartillerie und die wachsende Zahl der Geschütze in den Armeen führten dazu, dass ein Gegner, der eine Bastionsfestung belagerte, an den Stellen des Haupt- und der Ablenkungsangriffe eine Zahl von Artilleriebatterien zusammenziehen konnte, die die Zahl der Geschütze auf den Festungswällen um ein Vielfaches übertraf. Außerdem bestand nun die Möglichkeit, mit Sprengbomben und Granaten im Steilfeuer unmittelbar auf die Stadtviertel zu schießen, denn für das Schießen in einer Steilfeuerbahn stellten keine Wälle und Mauern ein Hindernis dar. Damit verlor die Festung ihren wichtigsten Vorteil gegenüber der feindlichen Armee im Vorfeld, der früher darin bestanden hatte, dass die Festungsartillerie gegenüber dem Vorfeld deutlich erhöht stand und daher dem Gegner an Reichweite des Flachfeuers überlegen war. Nach der Vorstellung der Festungsbauer sollte die nötige Dichte des Gegenfeuers der Festungsartillerie nun durch ihre gestaffelte Aufstellung in drei kasemattierten mehrgeschossigen Bauten gewährleistet werden. Für die Defensionskaserne „Kronprinz“ war auch eine dritte Funktion vorgesehen: Im Falle eines Durchbruchs des Gegners über die Linie des Hauptwalls (was für eine Bastionsfestung eigentlich eine Katastrophe war) sollte sie sich in eine lokale Zitadelle verwandeln, die durchgebrochenen feindlichen Kräfte durch Feuer binden und sich bis zum Eintreffen von Verstärkung verteidigen. Deshalb war die Kaserne für eine Rundumverteidigung ausgelegt und besaß einen eigenen Graben, zwei quadratische Dreiviertel-Türme an den Flanken, eine Grabenkaponniere und einen großen Kehlturm. Alle diese Elemente sollten es dem Gegner erschweren, sich unter den Mauern der Kaserne festzusetzen, um eine Bresche zu schlagen oder das Mauerwerk zu sprengen.
Besondere Erwähnung verdient das Königstor. Nach dem Willen der Erbauer der Bastionsumwallung sollte dieses Tor das repräsentativste unter den übrigen derartigen Bauwerken werden. Der Entwurf stammt von dem Architekten Friedrich August Stüler / Stüler (1800–65). Hauptschmuck des Tores wurden drei Skulpturen an der stadtseitigen Fassade.
Das Königstor im 21. Jahrhundert.
Die Skulpturen (siehe unten) wurden vom Hofbildhauer Friedrich Ludwig Stürmer / Stürmer (1812–64) geschaffen und stellten den Gründer Königsbergs, den böhmischen (tschechischen) König Ottokar II. Přemysl (links), den ersten König in Preußen Friedrich I. (in der Mitte) und den ersten Herzog in Preußen Albrecht von Brandenburg-Ansbach dar.
Auf der Stadtseite schmücken das Tor Bildnisskulpturen der wichtigsten lokalen Staatsmänner aller Zeiten: des Stadtgründers, des böhmischen Königs Přemysl Ottokar II., des ersten preußischen Königs Friedrich I. und des Hochmeisters des Ordens und ersten Herzogs in Preußen Albrecht von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern.
Man kann mit Bestimmtheit sagen, dass das neue Tor sowohl nach seinem Aussehen als auch nach seiner Lage dem Namen „Königstor“ gerecht wurde.
Der Abschnitt der Festungsanlagen, der den Herzogs-Acker und Neue Sorge deckte (die Defensionskaserne „Kronprinz“, die Bastionen „Grolman“ und „Kupferteich“, das Königstor), wurde in den allerersten Jahren des Baus der 2. Bastionsumwallung errichtet. Deshalb fielen seine Elemente hier am mächtigsten und großzügigsten aus, genau nach Asters Entwurf. Später erkannten die Militärs und Staatsbeamten, dass der Bau sehr teuer wurde und dass das neue Befestigungssystem schon in diesem Stadium zu veralten begann. Deshalb wurde der Entwurf an anderen Bastionsfronten oft zugunsten von Einsparungen korrigiert. Umso bemerkenswerter ist es, dass gerade die Grolman-Bastionsfront heute das am besten erhaltene Stück des Wallrings aus dem 19. Jahrhundert ist.
Die Entstehung eines riesigen Komplexes von Verteidigungsanlagen mit einer stattlichen Garnison zog den Bau verschiedener Einrichtungen der Militärverwaltung in der Umgebung nach sich. 1876–79 wurden zwischen der Königstraße und der Alten Reiferbahn / Alte Reiferbahn (später Teil der Yorckstraße) die Gebäude des Garnisonlazaretts errichtet. Seinerzeit war es ein stattliches Architekturensemble aus sieben Hauptgebäuden, von denen vier durch Galerien verbunden waren. In der Königstraße befand sich außerdem die Intendantur, und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in der Friedrichstraße (Tomskaja-Straße) ein Offizierskasino eröffnet.
Man sollte jedoch nicht meinen, Neue Sorge sei eine Art Königsberger Militärbasis gewesen: Neben den Objekten der Militärverwaltung kamen hier rein zivile Einrichtungen bestens zurecht. So verfügte Neue Sorge Ende des 19. Jahrhunderts über zwei Volksschulen (die 20. und die 24.), die Königliche Bibliothek (1904 in den Tragheim umgezogen), vier Heime für Arme und Invaliden und das Restaurant „Deutsche Ressource“ (Deutsche Ressource). 1890 erwarb der Staat in der Straße Jägerhof das Grundstück Groß Jägerhof, wo bis 1893 ein neues Gebäude für das Friedrichskollegium errichtet wurde, eines der bekanntesten Königsberger Gymnasien. 1901 hatte das Friedrichskollegium 845 Schüler und 32 Lehrer. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Friedrichstraße (Tomskaja-Straße) die Goethe-Mädchenschule (höhere Mädchenschule) eröffnet.
1904 zog in das Gebäude Königstraße 65/67, nachdem die Königliche (Universitäts-)Bibliothek von hier ausgezogen war, das Prussia-Museum ein. Es befand sich bis 1923 in Neue Sorge und erhielt danach Säle im Schloss Königsberg. Außerdem waren in Neue Sorge in der Königstraße Verwaltungsbehörden untergebracht: das Finanzamt und das Gebäude des Provinziallandtags.
Königstraße 65. Das Gebäude der Universitätsbibliothek, das 1904 an das Prussia-Museum ging.
Hervorzuheben ist auch, dass Neue Sorge der Sitz der städtischen Feuerwehr war. 1890–95 wurde in der Königstraße das Gebäude der Ostpreußischen Feuersozietät eröffnet.
Das Gebäude der Ostpreußischen Feuersozietät.
Frunse-Straße 105. Das Gebäude der Ostpreußischen Feuersozietät heute (2024).
Und 1900 wurde in der Yorckstraße, auf der zu Neue Sorge gehörenden Seite, das Gebäude der Feuerwache „Ost“ errichtet (Architekt Paul Mühlbach / Mühlbach, 1849–1908).
1900 wurde eine Strecke der Königsberger Kleinbahn / Königsberger Kleinbahn eröffnet. An ihr entstand beim Königstor ein Bahnhof, den man auch so nannte: „Königstor“ (Kleinbahnhof Königstor). Die Strecke selbst begann an der Bastion Butterberg / Butterberg (heute befindet sich darauf die Gedenkstätte für die 1200 Gardisten), folgte dann dem Festungswall (heute Gwardeiski-Prospekt und Professor-Baranow-Straße), ging in die Litauer Wallstraße (Litowski Wal) über und bog nach dem Halt am Bahnhof beim Königstor in Richtung Neuhausen (Gurjewsk) ab. Ursprünglich endete sie im Dorf Prawten / Prawten (Siedlung Lomonossowo, aus dem Register gestrichen), wurde aber bis November 1901 über Kirche Schaaken / Kirche Schaaken (Schemtschuschnoje) nach Schaakswitte / Schaakvitte (Kaschirskoje) verlängert. Das Netz der Königsberger Kleinbahnen spielte eine wichtige Rolle für den regelmäßigen Personen- und Güterverkehr zwischen Königsberg und den Dörfern des Samlands. Wenn man die heutige Straße Litowski Wal betrachtet, kann man sich kaum vorstellen, dass hier einst eine Schmalspurbahn verlief.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 brachte für Neue Sorge eine weitere Umbenennung der Hauptstraße. Die Königstraße wurde in Straße der S.A. / Straße der S.A. umbenannt, zu Ehren der nationalsozialistischen Sturmtruppen, der Sturmabteilung / Sturmabteilung, abgekürzt S.A., die damals die gewaltbereite Vorhut der Hitlerpartei und ihre schlagkräftige Stütze waren. Die SA-Männer lieferten sich eifrig Straßenschlachten mit Kommunisten, stellten sich der Polizei entgegen, schützten nationalsozialistische Veranstaltungen und beteiligten sich an Judenpogromen. Bezeichnenderweise begannen die übereifrigen, oft wenig gebildeten, aber eine Sonderstellung beanspruchenden SA-Männer, sobald Hitler die volle Macht im Land errungen hatte, die nationalsozialistische Regierung, die Wehrmachtsgeneralität und auch den Führer selbst stark zu stören. Und Hitler entschied sich gegen die S.A. Im Zuge der Ereignisse der sogenannten „Nacht der langen Messer“, die offiziell am 30. Juni 1934 stattfanden, sich in Wirklichkeit aber über eine Woche hinzogen, wurden die radikalsten Führer der S.A. und bis zu 200 aktivistische Kämpfer getötet (erschossen oder „bei der Festnahme ums Leben gekommen“). Die S.A. als Organisation verlor ihre frühere Bedeutung im nationalsozialistischen System, doch den Straßennamen änderte man nicht, hatten doch viele von Hitlers Parteigenossen ihre Laufbahn in der S.A. begonnen.
Die Königstraße Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Torbogen mit dem Durchgang zur Straße Königseck.
In der Nacht zum 30. August 1944 warfen Bomber der britischen Royal Air Force 480 Tonnen Brand- und Sprengbomben auf Königsberg ab. Ein Teil davon fiel auch auf die westlichen Randgebiete von Neue Sorge.
Frunse-Straße 51. Die „Kreuz-Apotheke“, als die Gaststätte im Gebäude schon geschlossen und das Dach noch nicht eingestürzt war.
Die anschließenden britischen Kontrollluftaufnahmen zeigten flächendeckende Zerstörungen der Dächer in den Straßen Jägershof und Kalthöfsche Straße (heute Straße des 9. April) sowie teilweise Zerstörungen in der Königstraße. Insbesondere brannten die Gebäude des Friedrichskollegiums vollständig aus, wobei eine wertvolle Sammlung von Kunstwerken und Büchern verloren ging. Beim Sturm auf die Stadt drangen Panzerfahrzeuge der Roten Armee erst in den letzten Stunden, am 9. April 1945, hierher vor. Doch zuvor war Neue Sorge dem Beschuss durch Artillerie und Schlachtflieger ausgesetzt.
Nach dem Ende der Kämpfe um die Einnahme Königsbergs wurde Neue Sorge dem 1. Bezirk Königsbergs (Militärkommandantur Nr. 1) zugeteilt. Einen eigenen sowjetischen Namen erhielt Neue Sorge nicht. Im Stadtteil waren alle Gebäude beschädigt, doch mindestens ein Drittel von ihnen war in einem Zustand, der es erlaubte, sie recht schnell instand zu setzen und als Wohnraum zu nutzen. Die größten Zerstörungen erlitt der westliche Teil des Stadtteils, der schon beim britischen Bombenangriff abgebrannt war. Im übrigen Stadtteil gab es ganze Viertel, die Bomben und Granaten standgehalten hatten und sich mit Brachflächen an der Stelle abgerissener Häuser abwechselten. Besser als andere überstanden die Verwaltungsgebäude mit ihrem soliden Ziegelmauerwerk die schweren Kriegszeiten.
Mit der Umbenennung der Straßen begann noch die Militärverwaltung der Stadt, und in Neue Sorge erhielten, da es hier keine ganz kleinen Gassen gab, fast alle Vorkriegsstraßen neue Namen. Am 15. September 1947 wurde der Straßenbahnverkehr in der Energetitscheskaja-Straße (heute Frunse-Straße) bis zum Königstor wiederaufgenommen. Später wurden die Gleise bis zur Wendeschleife „Flughafen“ am Ende der Straße des 10. April (heute Juri-Gagarin-Straße) wiederhergestellt. Von 1947 bis zur Einstellung des Verkehrs in der Frunse- und der Juri-Gagarin-Straße fuhr hier stets die Straßenbahnlinie 4.
Mehr als 15 Jahre nach Kriegsende hatten die städtischen Behörden keine Zeit für die Bebauung jenes Teils des Leningrader Bezirks der Stadt Kaliningrad, zu dem das ehemalige Neue Sorge geworden war. Es mag erstaunlich erscheinen, aber die Sowjetunion schickte den ersten Kosmonauten in die Umlaufbahn, während einer der zentralen Stadtteile Kaliningrads (noch dazu mit der Leninstraße, wie die Frunse-Straße damals hieß) genau zur Hälfte aus kahlen Stellen an der Stelle abgetragener Ruinen bestand.
Frunse-Straße 51. Die betont eklektische „Kreuz-Apotheke“ nach der Sanierung.
1961 wurden dort ganze zwei kleine Häuschen gebaut. Der Massenwohnungsbau begann erst Ende der 1960er Jahre und entfaltete sich in den 1970er Jahren mit voller Kraft.
Einst belegte die Baltische Filiale des Puschkin-Museums für bildende Künste – das Staatliche Zentrum für zeitgenössische Kunst (GZSI) – einen ganzen Flügel der Kaserne „Kronprinz“.
Insgesamt wurden in sowjetischer Zeit im Stadtteil 52 Gebäude errichtet, was heute 45 % aller Bauten im ehemaligen Neue Sorge ausmacht. Darunter waren zwei Schulen: 1970 die Schule Nr. 24 und 1979 die Schule Nr. 25. Am 16. August 1974 wurde eine neue Straßenbahnlinie durch die Straße des 9. April in Betrieb genommen, da man beschlossen hatte, die alte Linie durch die Klinitscheskaja-Straße stillzulegen. An der Kreuzung der Frunse-Straße und der Straße des 9. April entstand im Zuge der Modernisierung des Straßenbahnnetzes der sogenannte „Knoten 100“ oder Grand Union – eine Straßenbahnkreuzung, an der ein Straßenbahnwagen, aus jeder der vier Richtungen kommend, nach links oder rechts abbiegen oder geradeaus fahren konnte. In der UdSSR gab es nur drei solcher Knoten, heute ist keiner mehr erhalten. 1975 wurde die Straßenbahnlinie in der Frunse-Straße auf einen Grünstreifen verlegt. 1976 eröffnete an der Ecke Frunse-Straße und Straße des 9. April das städtische „Dom byta“ (Dienstleistungshaus). Damit wurde die Politik fortgesetzt, in der Stadt monumentale Gebäude zu errichten und darin allerlei Kombinate unterzubringen, die verwandte Dienstleistungen bündelten. Was das „Dom byta“ betrifft, war der Erfolg nur teilweise: Das Gebäude war zwar unverwechselbar und sollte nach seiner Idee die Macht des sowjetischen Dienstleistungssystems symbolisieren, geriet aber recht unbeholfen, und die Blechbuchstaben „Dom byta“ daran überzogen sich bald mit Rost, was den inneren Gehalt ziemlich genau widerspiegelte. Kritik an der Qualität der Dienstleistungen drang regelmäßig auf die Seiten der Lokalzeitungen, und die Kaliningrader selbst zogen es oft vor, Wäschereien, Friseure, Schneidereien und Verleihstellen näher an ihrem Zuhause zu nutzen.
Es ging nicht ohne Verluste ab: Einige nach dem Krieg wiederhergestellte Häuser gerieten, weil der Wiederaufbau übereilt erfolgt und danach keine angemessene Pflege gefolgt war, in einen baufälligen Zustand und wurden abgerissen. In dieser Hinsicht hatte das Mietshaus mit der Vorkriegsadresse Königstraße 31/32, erbaut 1900–05, relativ viel Glück; im Volksmund erhielt es wegen der teilweise erhaltenen Aufschrift den Namen „Kreuz-Apotheke“. Vor dem Krieg war das Gebäude wegen seines malerischen doppelten Torbogens, mit dem die Straße Königseck / Königseck (Uglowaja) begann, auf Postkarten weit verbreitet. Nach dem Krieg befand sich hier ein Familienwohnheim, dann Wohnungen, und im Erdgeschoss zog die „Pelmennaja“ (Kantine Nr. 24) ein. Der Torbogen im Haus war weiterhin beliebt und geriet in Aufnahmen einiger sowjetischer Kriegsfilme der 1950er Jahre. Doch das Haus verfiel und war 1987 in einem so entsetzlichen Zustand, dass die Bewohner umgesiedelt wurden. Ihn abzureißen wagten die städtischen Behörden nicht, fanden aber auch kein Geld für eine Sanierung.
Durch die Straße Litowski Wal getrennt: die Kaserne „Kronprinz“ und die Bastion „Grolman“ aus der Vogelperspektive. (Screenshot aus einem Video auf der Website rcn39.ru.)
Teilweise als Ruine hinter einem Bretterzaun stand die „Kreuz-Apotheke“ bis in die 2010er Jahre. Erst in den 20er Jahren fand sich ein Eigentümer für sie. Heute befindet sich im sanierten Gebäude der „Kreuz-Apotheke“ ein Geschäftszentrum.
Das private Museum für angewandte Kunst „Blockhaus“ am Litowski-Bach (Krepostnoi-Bach).
Die postsowjetische Zeit, die den Stadtbewohnern durch die grundlose Vernichtung deutscher Architektur zugunsten der Bosse der Baubranche in Erinnerung geblieben ist, ging mit Neue Sorge recht glimpflich um. 2006 wurde ein in vereinfachter Form wiederaufgebautes Wohnhaus in der Jaroslawskaja-Straße abgetragen. Insgesamt aber war die Bebauung des Stadtteils bescheiden und punktuell; Häuser wurden auf Kosten von Brachen und Grünflächen in freie Lücken „gesteckt“. Insgesamt wurden seit 1991 15 Gebäude errichtet. Der letzte Akt von Vandalismus ereignete sich 2018, als zugunsten eines Bauträgers das durchaus sanierungsfähige Gebäude der Goethe-Mädchenschule abgerissen wurde. Für das Gebäude waren bereits die Unterlagen vorbereitet, um es als Objekt mit Merkmalen eines Geschichts- und Architekturdenkmals zu registrieren. Abgerissen wurde es wie immer diebisch und dreist, mit Arbeitsbeginn an einem freien Tag. Am Ort des Abrisses konnten sich noch Gouverneur Anton Alichanow und die Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak öffentlichkeitswirksam in Szene setzen, doch der Abriss ging ohne Rücksicht auf ihre Auftritte und Erklärungen vonstatten. Allerdings wechselten sich im ehemaligen Neue Sorge positive und negative Veränderungen ab. Zum 750-jährigen Jubiläum Königsbergs (2005) wurde das Königstor wiederhergestellt, in dem eine Filiale des Museums des Weltozeans eröffnete. Auch für das Reduit der Bastion „Kupferteich“ fand sich ein Eigentümer – darin zog das Bierrestaurant „Reduit“ ein. 2008 verlor die Frunse-Straße ihre Straßenbahnverbindung. 2020 wurde nach 33 Jahren als Ruine das Gebäude der „Kreuz-Apotheke“ rekonstruiert (siehe oben). Das Projekt war sehr umstritten, doch angesichts der Aussicht, das Gebäude ganz zu verlieren, kann man es ebenfalls auf der Habenseite verbuchen. Und schließlich das jüngste erfreuliche Ereignis – die begonnene Sanierung der Bastion „Grolman“.
Sehenswürdigkeiten: Insgesamt sind in Neue Sorge 48 Vorkriegsbauten erhalten, das sind etwa 40 % aller Gebäude im Stadtteil. Als erfasste und registrierte Objekte des Kulturerbes (Geschichts- und Architekturdenkmäler) gelten die Defensionskaserne „Kronprinz“ (1843–49), das Stadttor „Königstor“ (1843–47), die Bastion „Grolman“ (1851), das Reduit der Bastion „Kupferteich“ (1853–56), das Gebäude der Feuerwache „Ost“ (Straße des Jahres 1812 Nr. 59, 1900), das Gebäude der Ostpreußischen Feuersozietät (Frunse-Straße 105, 1890–95), das Gebäude des Finanzamts (Frunse-Straße 50, 1880–90), das Wohnhaus mit Apotheke und Torbogen (Frunse-Straße 51, 1900–05), ein Wohnhaus (Frunse-Straße 71, 1870–80), ein Wohnhaus (Frunse-Straße 87/89, Ende 19. Jh.) und das Gebäude des Offizierskasinos (Tomskaja-Straße 19, um 1910). Außerdem sind gesondert der Hauptwall, die Verteidigungsgänge, die Kavaliere, die kasemattierten Traversen und der Brückenkopf auf dem an die Bastion „Grolman“ angrenzenden Abschnitt des Litowski Wal in das Register der Geschichtsdenkmäler eingetragen. Für Geschichtsfreunde gibt es im Königstor eine Filiale des Museums des Weltozeans sowie das private Museum für angewandte Kunst „Blockhaus“, das den Cafés, Restaurants und Brauereien des ehemaligen Ostpreußens gewidmet ist (siehe Foto oben). Letzteres nimmt den Brückenkopf der Bastion „Grolman“ am Ufer des Litowski-Bachs (Krepostnoi-Bach) ein. Es wird erwartet, dass bald Museumsausstellungen auch in der Bastion selbst und in der Kaserne „Kronprinz“ eröffnet werden.
Kurzes Verzeichnis der Straßen von Neue Sorge
(Stand 1928–32)
Augustastraße / Augustastraße entstand Mitte des 18. Jahrhunderts und gehört zu den alten Straßen von Neue Sorge. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befanden sich hier mehrere militärische Einrichtungen, da in unmittelbarer Nähe der Kaserne „Kronprinz“ ein großer Exerzierplatz lag. Nach dem Ersten Weltkrieg aber wurde die Straße „entmilitarisiert“, und es überwogen nun zivile Objekte. Bei den britischen Luftangriffen blieb die Straße unversehrt, doch die Häuser wurden beim Sturm auf die Stadt vom 6. bis 9. April 1945 schwer beschädigt. In den ersten Nachkriegsjahren wurde die Augustastraße nicht umbenannt und erschien erstmals unter neuem Namen (zusammen mit der Steilestraße, siehe unten) als Fortsetzung der Grieg-Straße auf dem Stadtplan von 1956. In der ehemaligen Augustastraße sind vier Vorkriegshäuser erhalten, von denen eines ein registriertes Objekt von kultureller Bedeutung ist.
Wilhelmstraße / Wilhelmstraße führte von der Königstraße zur Altroßgärter Kirchenstraße / Altroßgärter Kirchenstraße (heute Nertschinskaja-Straße). Die Straße erscheint erstmals auf dem Plan von 1763. Ende des 18. Jahrhunderts hieß sie Nach Herzogs Acker / Nach Herzogs Acker. 1809 taucht erstmals der Name Wilhelms Gasse auf, und bis 1875 reichte die Straße bis zum Roßgarten. Bei den britischen Luftangriffen blieb sie unversehrt, doch die Häuser wurden beim Sturm auf Königsberg (6.–9. April 1945) teilweise zerstört. Am 23.11.1945 wurde die Wilhelmstraße auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Kasnatschejskaja-Straße (Schatzamtsstraße) umbenannt, offenbar nach dem benachbarten Gebäude des Finanzamts. Doch schon am 01.08.1946 benannte die städtische Verwaltung für Zivilangelegenheiten sie in Pionerskaja-Straße um und schlug ihr zudem die ehemalige Altroßgärter Kirchenstraße / Altroßgärter Kirchenstraße (heute Nertschinskaja-Straße) zu. Später bestand die Pionerskaja-Straße aus der Wilhelmstraße in Neue Sorge und der Fahrenheit Straße / Fahrenheit Straße im Roßgarten. 1970 geriet ein Teil der Pionerskaja-Straße (Wilhelmstraße) auf das Gelände der Schule Nr. 24. In der ehemaligen Wilhelmstraße ist ein Vorkriegsgebäude erhalten, das ein Architekturdenkmal ist.
Dinterstraße / Dinterstraße entstand 1894 an der Stelle einer Brachfläche und des Gebäudes des Hilfsvereins für Armenpflege / Hilfs-Verein für Armenpflege. Im selben Jahr erhielt sie ihren Namen zu Ehren von Friedrich Gustav Dinter / Dinter (1760–1831), Königsberger Schulrat und Organisator des Volksschulwesens in Königsberg. Die kleine Straße verband die Königstraße mit der Friedrichstraße. Von den Bombenangriffen der britischen Royal Air Force blieb sie verschont, doch beim Sturm auf die Stadt wurden fast alle Häuser fatal zerstört und später abgerissen. In den Nachkriegsjahren wurde sie nicht umbenannt und hörte auf, als Straße zu existieren. Doch 1968 erschien im städtischen Adressbuch erstmals die Janowskaja-Straße, die an der Stelle der ehemaligen Dinterstraße lag. Am 17.06.2020 wurde die Janowskaja-Straße in Generalmajor-Janowski-Straße umbenannt, zu Ehren des Leiters der Gruppe sowjetischer Parlamentäre (1945 Oberstleutnant) P. G. Janowski (1917–2005), der am 09.04.1945 von General Otto Lasch die Kapitulation der Königsberger Garnison entgegennahm. Vorkriegsgebäude sind in der ehemaligen Dinterstraße nicht erhalten.
Jägershof / Jägershof. Im 18. Jahrhundert befand sich am Anfang der Straße Neue Sorge der Große Jägerhof / Groß Jägershof; deshalb hieß die von Neue Sorge abzweigende Straße Hinter Jägershof / Hinter Jägershof und später einfach Jägershof. Die Straße verlief an der Grenze zwischen Neue Sorge und dem Roßgarten. Im 19. Jahrhundert befanden sich hier ein Franziskanerheim und das vornehme Restaurant „Deutsche Ressource“ (Deutsche Ressource). 1893 wurde am Anfang der Straße Jägershof ein neues Gebäude für das Realgymnasium Friedrichskollegium errichtet. Bei dem Bombenangriff der britischen Royal Air Force (29./30.08.1944) wurde die Straße schwer beschädigt. Weitere Zerstörungen brachte der Sturm auf Königsberg (6.–9.04.1945). Nachdem sowjetische Neusiedler die Ruinen am Jägershof abgetragen hatten, wurde die Straße zu einem Weg über eine Brachfläche. In den Nachkriegsjahren erhielt die Straße keinerlei Namen; erst nachdem 1961 die Straße des 10. April in Juri-Gagarin-Straße umbenannt worden war, ging ihr früherer Name in leicht abgewandelter Form auf den ehemaligen Jägershof über. Nun hieß sie Straße des 9. April. 1974 erhielt die Straße eine Straßenbahnverbindung; regelmäßig verkehrten hier die Linien 4 (bis 2008) und 5, zeitweise auch die Linien 8 und 10. In sowjetischer Zeit wurden in der Straße zwei für Kaliningrad markante Einrichtungen eröffnet: das „Dom byta“ (1976) und das größte Kommissionsgeschäft der Stadt (1988), in dem unter anderem von Seeleuten mitgebrachte importierte Elektronik verkauft wurde. In postsowjetischer Zeit kamen zwei Supermärkte und ein Minimarkt hinzu. Heute verlaufen durch den ehemaligen Jägershof beide erhaltenen Straßenbahnlinien, die 3 und die 5. Vorkriegsgebäude der ehemaligen Straße Jägershof sind bis heute (2024) nicht erhalten.
Kalthöfsche Straße / Kalthöfsche Straße. Am 23.11.1945 wurde die Kalthöfsche Straße auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Rischskaja-Straße umbenannt. Dieser Name wurde 1946 von der Verwaltung für Zivilangelegenheiten bestätigt. In Wirklichkeit aber (auf den Stadtplänen und vor Ort) wurden die Kuplitzer Straße / Kuplitzer Straße und die Arnoldtstraße / Arnoldtstraße im Roßgarten in Rischskaja-Straße umbenannt, und dort befindet sie sich bis heute. Die Kalthöfsche Straße hingegen wurde in der Nachkriegszeit zu einem namenlosen Weg, der zunächst zwischen Gebäuderuinen und nach deren Abriss über eine große Brachfläche verlief. Doch 1974 stellte sich die Frage, die Straßenbahnstrecke der Linien 4 und 5 aus der Klinitscheskaja-Straße zu verlegen. Auf dem Abschnitt in Neue Sorge wurden die Gleise unter anderem über einen Teil der Kalthöfschen Straße verlegt. Infolgedessen galt die Kalthöfsche Straße fortan als Teil der neu entstandenen Straße des 9. April. An der ehemaligen Kalthöfschen Straße sind zwei auf sie hinausgehende Vorkriegsgebäude erhalten – die Gebäude der Roßgärter Mittelschule (1896–97).
Königseck / Königseck, eine an die Königstraße angrenzende Winkelstraße, entstand ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihr Name bedeutete einerseits „königliche Ecke“ und passte zur nahen Königstraße, andererseits ging er auf das Geschlecht der Freiherren von Königseck zurück, dem einst das Palais Neue Sorge gehört hatte. Bekannt war die Straße dafür, dass sie an einem doppelten Torbogen in einem Mietshaus begann, der auf zahlreichen Postkarten und Fotografien festgehalten wurde. Die Straße Königseck wurde beim Bombenangriff und beim Sturm auf Königsberg teilweise zerstört. Am 23.11.1945 wurde Königseck auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Uglowaja-Straße (Eckstraße) umbenannt. Dieser Name erwies sich als glücklich und hat sich unverändert bis heute erhalten. Nach dem Krieg wurden die Gebäude hier wiederhergestellt und bezogen. Heute stehen in der Straße fünf Häuser (darunter ein Objekt des Kulturerbes).
Die gemütliche kleine Straße Königseck, was übersetzt „Königliche Ecke“ bedeutet.
Königstraße / Königstraße, die älteste Straße von Neue Sorge, die ihren Namen mehrmals wechselte. Sie entstand im 16. Jahrhundert und trug, wie der Stadtteil selbst, den Namen Neusorg, den sie etwas später gegen Neue Sorge eintauschte. Der Anfang der Straße lag dabei im Gebiet des Roßgartens / Roßgarten. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts erhielt die Straße die geografische Lage, die sie bis heute bewahrt hat. Ab 1726 hieß sie Breite-Straße / Breite-Straße („Breite Straße“). 1744, als das Gumbinner Tor / Gumbinnen-Tor gebaut wurde, wurde die Breite-Straße zur Ausfallstraße der Stadt in Richtung Neuhausen (Gurjewsk). Entsprechend änderte sich auch der Straßenname: Sie hieß nun Gumbinnenstraße / Gumbinnenstraße. 1811 erhielt sie den Namen Königstraße, und 1843 wurde an ihrem Ende eines der schönsten Tore Königsbergs gebaut – das Königstor. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Straße 1933 erneut umbenannt, in Straße der S.A. / Straße der S.A. Beim Luftangriff der britischen Royal Air Force in der Nacht vom 29. auf den 30. August 1944 wurden die Bauten im westlichen Teil der Straße schwer beschädigt. Am letzten Tag des Sturms auf die Stadt kämpften sich Einheiten der Roten Armee durch die Straße zum Zentrum Königsbergs vor, was auch zur Zerstörung von Gebäuden im östlichen Teil der Straße führte. Am 23.11.1945 wurde sie auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Energetitscheskaja-Straße umbenannt und trug diesen Namen bis 1950, als sie per Beschluss des Stadtexekutivkomitees den Namen Leninstraße erhielt. 1963, nachdem in Kaliningrad der Leninski-Prospekt entstanden war, wurde die Leninstraße ein letztes Mal umbenannt und erhielt den Namen Frunse-Straße. Zu dieser Zeit standen hier nur noch gut ein Dutzend Bauten, darunter ein Nachkriegshaus aus dem Jahr 1962. 1968–77 wurden in der Frunse-Straße sechs Wohnhäuser gebaut, fünfgeschossige auf der linken und neungeschossige auf der rechten Seite. Dabei wurde die rechte Straßenseite zur Verbreiterung erheblich verschoben, sodass nun ein Gebäude des Infektionskrankenhauses an die Frunse-Straße grenzt. Unter Berücksichtigung dieser Verbreiterung sind in der ehemaligen Königstraße 12 Vorkriegsgebäude erhalten (davon neun in Neue Sorge), von denen sieben registrierte Objekte des Kulturerbes sind (davon vier in Neue Sorge).
Litauer Wallstraße / Litauer Wallstraße. Zu Neue Sorge gehörte der nordöstliche Teil dieser Straße. Die Litauer Wallstraße entstand als Rochade (Wallstraße) beim Bau der 1. Umwallung Königsbergs (1626–40). 1843–53 wurden an ihr die neuen Bastionen, das Königstor und die Kaserne „Kronprinz“ errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Wallbefestigungen vom Königstor weiter bis zum Pregel abgetragen und an ihrer Stelle Häuser gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg, am 23.11.1945, wurde die Litauer Wallstraße auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Kaunasskaja-Straße umbenannt. 1946 jedoch unterstützte die Verwaltung für Zivilangelegenheiten diesen Namen nicht; die Straße hieß zunächst Litowskaja-Straße und etwas später Litowski Wal. Heute sind auf dem zu Neue Sorge gehörenden Teil des Litowski Wal sieben Vorkriegsbauten erhalten, von denen einige nach dem Krieg stark umgebaut wurden. Vier Bauwerke sind registrierte Architekturdenkmäler, außerdem sind der Wall der Bastion „Grolman“ und die angrenzenden Kavaliere als Denkmal anerkannt.
Der Kleinbahnhof in der Litauer Wallstraße.
Lobeckstraße / Lobeckstraße ist seit 1720 unter dem Namen Löffelgasse / Löffelgasse bekannt. 1863 wurde sie zu Ehren von Christian August Lobeck / Lobeck (1781–1860) umbenannt, dem Oberbibliothekar der Königlichen Bibliothek und Professor der Beredsamkeit und der Altertumskunde. Am 23.11.1945 wurde die Lobeckstraße auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Nowgorodskaja-Straße umbenannt. Schwer zu sagen, warum dieser Name der städtischen Verwaltung für Zivilangelegenheiten nicht gefiel, doch am 01.08.1946 benannte sie die Straße per Befehl in Jaroslawskaja-Straße um. Dieser Name wird bis heute verwendet. In der Straße sind sechs Vorkriegsgebäude erhalten.
Rippenstraße / Rippenstraße (Rippenstraße) erhielt ihren Namen nach einer riesigen Walrippe, die das Haus des Webers Wilhelm Geßler / Gessler schmückte, der in dieser Straße wohnte. 1728 wurde der volkstümliche Straßenname amtlich. Die Walrippe war in Königsberg eine solche Kuriosität, dass sie in einem Werk Lilienthals erwähnt wird. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Straße bei den Bombenangriffen und beim Sturm auf Königsberg mäßig beschädigt. Am 23.11.1945 wurde die Rippenstraße auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Grashdanskaja-Straße umbenannt. Diesen Namen hat die Straße bis heute behalten. In der Straße sind fünf Vorkriegsgebäude erhalten (darunter zwei Gebäude im Hof).
Friedmannstraße / Friedmannstraße entstand Ende des 18. Jahrhunderts als Mittelste Brandstätte / Mittelste Brandstätte. Dann hieß sie etwa von den 1830er Jahren bis 1893 3. Sackheimer Wallstraße / 3. Sackheimer Wallstraße, obwohl sie räumlich bereits in Neue Sorge lag. 1893 wurde sie zu Ehren von Rosalie Friedmann / Friedmann (1805–58), geb. Fraenkel / Fraenkel, der Gattin des Rats und Finanzmagnaten Isidor Friedmann, umbenannt. Rosalie Friedmann wurde durch ihre Wohltätigkeit und ihre Mitwirkung an der Einrichtung eines Heims für arme Frauen bekannt. In den Vorkriegsjahren befanden sich in der Friedmannstraße die Friedenskirche / Friedenskirche und das städtische Waisenhaus. Am 23.11.1945 wurde die Friedmannstraße auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Internazionalnaja-Straße umbenannt. Doch die städtische Verwaltung für Zivilangelegenheiten beschloss am 01.08.1946, ihr einen neuen Namen zu geben – Belokamennaja-Straße, den die Straße bis heute trägt. 1971 wurden quer über die ehemalige Friedmannstraße zwei fünfgeschossige Häuser gebaut, wodurch sich die Belokamennaja-Straße um etwa 50 Meter nach Norden verschob und nicht mehr mit der Friedmannstraße übereinstimmte. Doch von der Friedmannstraße ist an ihr (Stand 2024) ein Vorkriegsgebäude erhalten
Friedrichstraße / Friedrichstraße entstand um 1870, war aber anfangs nur halb so lang wie heute. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Straße nach Osten bis zum Herzogs Acker verlängert. In den Vorkriegsjahren befanden sich in der Straße das Offizierskasino und die Goethe-Mädchenschule / Goetheschule. Am 23.11.1945 wurde die Friedrichstraße auf Befehl des Befehlshabers der Truppen des Besonderen Militärbezirks in Poperetschnaja-Straße (Querstraße) umbenannt, obwohl ihr aus geografischer Sicht eher der Name „Längsstraße“ gepasst hätte. Nicht besser war die von der Verwaltung für Zivilangelegenheiten bestätigte Variante: Ab dem 01.08.1946 hieß die Friedrichstraße Tupikowy-Gasse (Sackgasse). Dieser Name hielt sich allerdings nicht lange, und auf dem Stadtplan von 1956 trug die Straße bereits ihren heutigen Namen Tomskaja-Straße. Heute sind in der Straße drei Vorkriegsgebäude erhalten, von denen eines den Status eines Geschichts- und Architekturdenkmals hat.
Herbartstraße / Herbartstraße entstand nach 1860 und hieß bis 1878 Roßgärter Feldstraße / Roßgärter Feldstraße. Die Straße führte von der Kalthöfischen Straße zur Wilhelmstraße. 1878 wurde sie zu Ehren von Johann Friedrich Herbart / Herbart (1776–1841) umbenannt, Professor der Pädagogik und Philologie und Gründer des pädagogischen Seminars. Seine Witwe vermachte der Universität die Familienbibliothek. Die Gebäude in der Herbartstraße brannten beim britischen Bombenangriff in der Nacht zum 30.08.1944 aus, doch die Gebäudehüllen ohne Dach, Türen und Fensterrahmen standen bis in die 1950er Jahre, als sie vollständig abgerissen wurden. Der so entstandene Weg über die Brachfläche wurde keiner Umbenennung gewürdigt. 1970 wurde östlich der Straße die Schule Nr. 24 gebaut. Heute ist die ehemalige Herbartstraße ein Weg auf dem Gelände dieser Schule.
Steilestraße / Steilestraße erscheint erstmals auf dem Plan von 1790 als Brandstätte / Brandstätte („Brandstätte“). Die Straße führte von der Königstraße zur Straße Sackheim / Sackheim (wurde Teil des Moskowski-Prospekts), und ihr südlicher Teil lag somit im Stadtteil Sackheim. Bis 1800 wechselte sie ihren Namen zu Mottstraße / Mottstraße, und bis 1811 hieß sie dann Steile Gasse. 1834 ist sie auf dem Stadtplan als Freite Gasse / Freite Gasse verzeichnet, doch danach setzte sich auf allen folgenden Karten endgültig der Name Steilestraße durch. Bei den britischen Luftangriffen blieb die Straße unversehrt, doch die Häuser wurden beim Sturm auf die Stadt vom 6. bis 9. April 1945 schwer beschädigt. In den ersten Nachkriegsjahren wurde die Steilestraße nicht umbenannt und erschien erstmals unter neuem Namen (zusammen mit der Augustastraße) als Fortsetzung der Grieg-Straße zwischen der Leninstraße (heute Frunse-Straße) und der Moskowskaja-Straße (heute Moskowski-Prospekt) auf dem Stadtplan von 1956. 1966 wurde in der Straße das erste fünfgeschossige Haus gebaut. Dann wurde sie 1971–80 mit fünf- und neungeschossigen Plattenbauten bebaut. Vorkriegsgebäude sind in der ehemaligen Steilestraße nicht erhalten.
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Das Kapitel „Neue Sorge“
aus dem Buch örtlicher Autoren „Heimatkunde von Königsberg“,
erschienen Ende des 19. Jahrhunderts
2012–2014 erschien in der „Pregolja“, der literarischen Beilage zum „Baltischen Almanach“,
die Übersetzung des Buches der Königsberger Autoren Dr. Richard Armstedt, Professor am Altstädtischen Gymnasium, und Dr. Richard Fischer, Oberlehrer am Kneiphöfischen Gymnasium, „Heimatkunde von Königsberg“ („Heimatkunde von Königsberg i. Pr.“, 1895, Kommissionsverlag von Wilhelm Koch, Königsberg), angefertigt von einem unbekannten Übersetzer. Die Idee der Veröffentlichung stammte von Igor Wladimirowitsch Afonin. Den Text bearbeiteten und mit Erläuterungen versahen Alexej Borissowitsch Gubin und Igor Fjodorowitsch Awtuchow. In jenem Buch gab es auch ein eigenes Kapitel über Neue Sorge. Nach minimaler Redaktion legen wir es Ihnen als Ergänzung zum Text
von Alexej Jewgenjewitsch Petruschin vor.
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Neue Sorge
Wenn wir weitergehen, nähern wir uns der Königstraße (Königsstraße). Im 19. Jahrhundert wurde ihr Name zur Bezeichnung für die ganze Freiheit, die bis 1811 als Neue Sorge bekannt war. Sie liegt zwischen dem Roßgarten im Norden und dem Sackheim im Süden. Außer der von Westen nach Osten verlaufenden Königstraße umfasst die Freiheit noch einige Straßen und Gassen, die sie mit den Nachbarvierteln verbinden. Außer den herzoglichen Ställen (Schirrhof), dem großen Jägerhof (Jägerhof) und zwei Krügen am Roßgärter Markt (Roßgärter Markt) und an der Ecke der heutigen Ziegelstraße (Ziegelstraße) gab es Anfang des 17. Jahrhunderts in Neue Sorge (Neue Sorge) keine weiteren Bauten. Dafür setzte seit den 1610er Jahren, als der brandenburgische Kurfürst Johann Sigismund (Johann Sigismund, 1572–1619) in Preußen an die Macht kam, und danach unter seinem Sohn Georg Wilhelm (Georg Wilhelm, 1595–1640), die beide die hiesigen Ländereien bereitwillig ihren Höflingen schenkten, in diesem Teil der „Innenstadt“ (Innenstadt) eine stürmische Bautätigkeit ein.
Das Gericht in Neue Sorge wurde am 4. März 1662 vom Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm, 1620–1688) gegründet. Um für das Richteramt sechs fähige Männer oder, je nach Bedarf, mehr auszuwählen, veranstaltete der Oberburggraf eine, wie es damals hieß, „Kur“ (Wahl). Auf dem Gerichtssiegel waren zwei Augen zu sehen, zwischen ihnen eine aus einer Wolke rechts herausragende Hand, die ein Winkelmaß hält, dazu die Jahreszahl und eine lateinische Inschrift: „Sigill. Immunit. Neuesorge. Rectum inter et aequum“ (Siegel der Freiheit Neue Sorge. Recht und Billigkeit). Dem Hausvogt wurde eine Wohnung bei den Ställen am Roßgärter Markt zur Verfügung gestellt, wo er die Wirtschaft beaufsichtigen und zugleich das Richteramt ausüben sollte.
Für den Namen Neue Sorge gibt es keine eindeutige überzeugende Erklärung. Bekannt ist die Geschichte, dass der Statthalter, Fürst Radziwiłł (Bogusław Radziwiłł, 1620–1669), als man ihn nach dem Namen dieses neu entstandenen Viertels fragte, brummte: „Eine weitere neue Sorge!“ (Noch eine neue Sorge). Doch damals gab es diesen Namen bereits.
Er war in Gebrauch gekommen, bevor der Fürst sein Amt antrat. Auch die Version, nach der der Name der neuen Freiheit Sorge, angeblich abgeleitet vom mittelhochdeutschen „Zarge“ (eingefriedetes Gelände), aufkam, als dieses Gebiet 1626 innerhalb der neuen Stadtmauern zu liegen kam, ist nicht ganz überzeugend.
Die Königstraße ist heute neben dem Steindamm eine der längsten, schönsten und vornehmsten Straßen Königsbergs (Königsberg). Hier befinden sich Gebäude militärischer und ziviler Behörden sowie kultureller, wissenschaftlicher und Bildungseinrichtungen, was ihr ein feierliches und ruhiges Aussehen verleiht – im Gegensatz zur Kneiphöfischen Langgasse, dem Steindamm, der Junkerstraße (Kneiphöfsche Langgasse. Steindamm, Junkerstraße) und anderen belebten Verkehrsadern der Stadt, wo die Erdgeschosse der Häuser überwiegend von Geschäften eingenommen werden.
Auf der linken Straßenseite fällt nach dem Roßgärter Markt als Erstes die Kunstakademie (Kunstakademie) ins Auge. Das Bestreben, in Königsberg die bildende Kunst zu pflegen, entstand vergleichsweise spät. Weder die Lage der Stadt noch die nüchterne, praktische und recht kritische Geistesart der meisten ihrer Bewohner begünstigten hier die Entwicklung von Malerei und Bildhauerei.
Blick auf Neue Sorge aus der Vogelperspektive.
Mit der Musik dagegen verhält es sich anders – sie wird in Königsberg in allen ihren Erscheinungsformen willkommen geheißen. Der Philosoph Rosenkranz (Johann Karl Friedrich Rosenkranz, 1805–1879) bemerkt zu Recht: „In Danzig, so scheint mir, überwiegt die visuelle Wahrnehmung und die Kunst der Skulptur dominiert. In Königsberg verlässt man sich mehr auf das Gehör.“
Neue Sorge. In der Mitte die Königliche Schule Friedrichskollegium. Oben links die Kaserne Kronprinz.
An der Wiege unserer 1845 eröffneten Kunstakademie standen der Oberpräsident Ostpreußens von Schön (Heinrich Theodor von Schön, 1773–1856) und der berühmte Historienmaler Karl Rosenfelder (Karl Ludwig Rosenfelder, 1813–1881), der auch ihr erster Direktor wurde. Unter Rosenfelders Leitung wirkten und lehrten hier herausragende Meister wie Piotrowski (Maximilian Anton Piotrowski, 1813–1875), Trossin (Robert Trossin, 1820–1896), Behrendsen (August Behrendsen, 1819–1886), Gemmel (Hermann Gemmel, 1813–1868) und etwas später Steffeck (Karl Steffeck, 1818–1890), der jetzige Landschaftsmaler Max Schmidt (Max Schmidt, 1818–1901) sowie die bereits erwähnten Maler Heydeck (Johannes Heydeck, 1835–1910), Neide (Emil Adolph Neide, 1843–1908), Knorr (Georg David Salomon Knorr, 1844–1916) und der Bildhauer Reusch (Johann Friedrich Reusch, 1843–1906).
Das an sich recht schlichte Gebäude wurde an der Stelle eines unscheinbaren Jagdhäuschens errichtet, das im Schatten beschnittener Linden verborgen lag und 1838 abgerissen wurde. Äußerlich ähnelt die Akademie stark der Königlichen Universitätsbibliothek (Königliche Universitätsbibliothek), die etwas weiter die Straße hinunter liegt. Hier wird eine der Universität gehörende Sammlung von Gipsabgüssen griechischer Götterstatuen aufbewahrt. Das Gebäude der Akademie schmückt eine lateinische Inschrift:
ARTIUM OPERIBUS CONDENDIS. ARTIFICIBUS INSTITUENDIS.
In Übersetzung: „Kunstwerke, die geschaffen werden sollen. Künstler, die ausgebildet werden müssen.“
Ursprünglich wurde das Erdgeschoss des Hauptgebäudes der Akademie von der Gewerbeschule (Gewerbeschule) genutzt, das Obergeschoss von der Provinzial-Kunstschule (Provinzial-Kunstschule), heute Königliche Provinzial-Kunst- und Gewerkschule (Königliche Provinzial-Kunst- und Gewerkschule). Sie war 1790 vom Stadtpräsidenten von Hippel (Theodor Gottlieb von Hippel, 1741–1796) gegründet worden; hier lernten Ziseleure und Handwerker Zeichnen und Modellieren. Die Gewerbeschule (Gewerbeschule), offiziell Königliche Baugewerkschule (Königliche Baugewerkschule) genannt, war 1821 gegründet worden, um die Kenntnisse der Schüler in Mathematik, Chemie und Physik zu vertiefen. Anfangs befand sie sich im Schloss. Beide Einrichtungen zogen 1843 in das neue Gebäude in der Königstraße, mussten aber 1845 der Königlichen Kunstakademie weichen.
Der Anfang der Königstraße. Blick vom Roßgärter Markt.
Am 15. Oktober 1895 feierte die Königliche Akademie ihr 50-jähriges Bestehen. Eröffnet worden war sie am 1. September 1845, und damals hatte sie nur drei Klassen. Seitdem hat die Akademie bereits 700 Absolventen, darunter nicht wenige begabte und tatkräftige Männer der Kunst. Gegenwärtig liegt die durchschnittliche jährliche Absolventenzahl bei 40 Personen.

Die Königstraße. Blick in Richtung Kunstakademie und Roßgärter Markt.
Die Akademie nimmt Schüler ohne Vorbildung und ohne besondere Kenntnisse auf. Im ersten Kurs lernen sie in der Kopierklasse das Zeichnen nach Originalvorlagen, in der Gipsklasse zeichnen sie nach der Natur Abgüsse antiker und zeitgenössischer Skulpturen. Der nächste Kurs ist Malen nach der Natur, dann folgt die Staffeleimalerei. Außerdem gibt es Werkstätten für Radierung und Kupferstich sowie für Bildhauerei. Es werden Vorlesungen über Perspektive und Schattenkonstruktion, Anatomie und Kunstgeschichte gehalten. An der Akademie unterrichten sechs Künstler und drei Gelehrte. Es gibt eine überaus reiche Bibliothek sowie Sammlungen von Kupferstichen und Zeichnungen. All das sichert ein hohes Ausbildungsniveau.
Im zweiten Obergeschoss des Akademiegebäudes ist vorübergehend die Städtische Gemäldegalerie (Städtische Gemäldegalerie) untergebracht. Ihre Sammlung entstand bis 1833 teils aus geschenkten Werken bekannter Künstler, teils aus eigens für sie erworbenen. Eine besondere Rolle spielte hier der „Kunstverein“ (Kunstverein), der 1832 zusammen mit dem „Gewerbeverein“ (Gewerbeverein) gegründet worden war. 1845 jedoch machte sich der „Kunstverein“ selbständig und begann, ausschließlich Malerei zu sammeln. Er überließ der Stadt 110 Werke zur dauernden Nutzung für Ausstellungen und behielt sich ihre Aufbewahrung vor.
Zur Sammlung kamen Geschenke der Königlichen Museen hinzu – 57 Gemälde, die Sammlung Hippel – 51 Gemälde, die Sammlung des Geheimrats Minuth (Minuth) aus Berlin – 46 Gemälde und anderes. Ende 1894 besaß die Galerie 297 Gemälde.
Unter ihnen gibt es prächtige Kunstwerke, besonders aus neuester Zeit. Viele sind jedoch aus Platzmangel noch nicht ausgestellt. Inzwischen ist die Idee aufgekommen, ein neues Museumsgebäude zu errichten, um darin die gesamte in Königsberg vorhandene hochwertige Malerei zusammenzuführen und dem hiesigen Publikum endlich die Möglichkeit zu geben, die bildende Kunst zu genießen.
Zu diesem Zweck hat die Stadt bereits ein sehr geeignetes Grundstück an der Adresse Königstraße 40–42 erworben, und großzügige Spenden des Geheimen Kommerzienrats Moritz Simon (Moritz Simon), des Kommerzienrats Robert Simon (Dr. Robert Simon), der Gattin des Doktors Möller (Möllerschen) und des Oberleutnants Grape (Grape) haben einen guten Fonds für den Bau des Museums gebildet.
(Das Gebäude der Kunstakademie befand sich, auf die heutige Orientierung bezogen, an der Ecke der Frunse-Straße und der Straße des 9. April gegenüber dem Dom byta. Es ist nicht erhalten. 1919 wurde die Kunstakademie in ein neues Gebäude in der heutigen Bassejnaja-Straße verlegt, das jetzige Gebäude der Schule Nr. 21, danach zog in das Gebäude in der Königstraße die Kunst- und Gewerkschule ein – Anm. d. Red.)

Die Kunstakademie in der Königstraße.
Im kleinen Vorgarten der Königlichen Kunstakademie steht ein hoher eiserner Obelisk. Es ist ein Denkmal, das die Bürger Königsbergs 1843 als Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit für Theodor von Schön errichteten, den scheidenden Oberpräsidenten Preußens. Eine der wichtigsten Perioden der preußischen Geschichte ist eng mit dem Namen dieses Mannes verbunden.

Die Kunstakademie und davor das in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten abgerissene Denkmal für Theodor von Schön.
(In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurde der Obelisk abgerissen – Anm. d. Red.)
Theodor von Schön wurde am 20. Januar 1773 im Ort Schreitlaugken (Schreitlaugken, heute das litauische Dorf Šereitlaukis (Šereitlaukis) am Berg Rambynas gegenüber der Stadt Neman) im preußischen Teil Litauens geboren. 1789 begann er in Königsberg zu studieren und wurde bald der fleißigste Schüler Kants (Immanuel Kant, 1724–1804) sowie des bedeutenden politischen Ökonomen und Staatsrechtlers Christian Jacob Kraus (Christian Jacob Kraus, 1753–1807). Nach dem Studium reiste von Schön viel durch Deutschland, besuchte England und trat in den Staatsdienst ein, gemäß einer Bestimmung, nach der der beste Schüler völlige Freiheit bei der Wahl seines Dienstortes erhielt. 1809 wurde er Präsident von Litauen, zeichnete sich in jener harten Zeit durch eine vorzügliche Verwaltung seiner Provinz aus und wurde einer der bedeutendsten Führer der ruhmreichen Erhebung Ostpreußens 1813. 1816 wurde er Oberpräsident von Westpreußen und 1824 auch von Ostpreußen. Die beiden Provinzen blieben bis 1878 vereinigt.
Nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. 1840 wurde Schön zum Staatsminister ernannt. In dieser Eigenschaft erwies er sich als glühender Republikaner und veröffentlichte 1842 die politische Broschüre „Woher und wohin?“ (Woher und Wohin?), die ihn seine Laufbahn im Staatsdienst kostete. Im selben Jahr verlieh ihm der König in Anerkennung seiner Initiativen zur Wiederherstellung der Marienburg den Titel eines Burggrafen von Marienburg. Mit Ehren überhäuft starb Theodor von Schön am 22. Juli 1856 und wurde auf seinem Gut Arnau bei Königsberg beigesetzt (heute Siedlung Marjino, das Grab wurde um 2000 wiederhergestellt).
Gegenüber der Kunstakademie befindet sich die Französisch-reformierte Kirche (Französisch-reformierte Kirche). Sie wurde auf einem eigens dafür freigemachten Teil des Friedhofs der deutsch-reformierten Gemeinde erbaut. König Friedrich Wilhelm I. (Friedrich Wilhelm I, 1688–1740) gab für den Bau 12 000 Taler. Am 16. Juni 1733 wurde der Grundstein gelegt, und am 29. Juli 1736 wurde die Kirche in Anwesenheit des Königs geweiht.
Dieser Bau erhebt keinerlei Anspruch darauf, ein Baudenkmal genannt zu werden. Doch nach der Restaurierung im Sommer 1894 erhielt er ein recht ansprechendes Aussehen. Über dem Hauptportal steht eine lateinische Inschrift in goldenen Buchstaben auf schwarzem Marmor:
Die Französisch-reformierte Kirche.
D. O. M.
Anno MDCCXXXIII
Imperante
Potentissimo Pruss. Rege
Friderico Wilhelmo
Elektore Brandenburgico
Templum Gallis
Ob reformata sacra exulibus
Aedificatum.
Innenraum der Französisch-reformierten Kirche.
In Übersetzung: „Dieser Tempel wurde erbaut dank der Gnade König Friedrich Wilhelms von Brandenburg, der die um ihres Glaubens willen aus der Heimat vertriebenen Franzosen gnädig aufnahm.“
Ein plumper Glockenturm steht neben der Kirche. Man kann ihn kaum einen Turm nennen – er ist nicht höher als das Gebäude. Die erste Predigt für die Franzosen in dieser Kirche hielt 1686 Abraham Boullay du Plessis (Abraham Boullay du Plessis) aus der normannischen Stadt Alençon.
Neben der Kirche liegt der Deutsch-reformierte Friedhof (Deutsch-reformierte Friedhof), dessen Gelände 1629 von Georg Wilhelm der Gemeinde der Burgkirche geschenkt worden war. Der Friedhof wurde im Dezember 1891 geschlossen und danach von der Stadt erworben, um hier ein Museum zu bauen. Diese Übergabe des Friedhofs und zugleich der brachliegenden Grundstücke wurde vertraglich bis zum 1. April 1896 geregelt. Bis zu diesem Termin sollten die unansehnlichen Friedhofsmauern abgerissen werden. Heute ist nur noch die Inschrift über dem Torbogen erhalten, die von historischem Interesse ist:
V. G. G. Louise Charlotte und Hedwig Sophia Geschwister, Markgräfinnen und Churfürstliche Prinzessinnen zu Brandenburg I. P. G. C. B. Herzoginnen.
In Übersetzung: „Von Gottes Gnaden Luise Charlotte und Hedwig Sophie, Schwestern, Markgräfinnen und Kurprinzessinnen von Brandenburg, Herzoginnen in Preußen, zu Jülich, Kleve und Berg.“
Auf diese Weise verewigten sich die Schwestern des Großen Kurfürsten, die 1640 befahlen, das Gelände, das ihr Vater der reformierten Gemeinde geschenkt hatte, mit einer Mauer zu umgeben. Von jener Mauer ist nur eine einzige Säule erhalten, die von Kreuzgewölben gekrönt ist. Auf dem Friedhof befindet sich das bemerkenswerte marmorne Grabmal des Kaufmanns Daniel Zimmermann (Daniel Zimmerman, 1742–1814), geschmückt mit Figuren des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, deren Schöpfer Schadow (Johann Gottfried Schadow, 1764–1850) ist.
(Dieser reformierte Friedhof ist nicht erhalten. Er lag an der Ecke der heutigen Frunse-Straße, Sergej-Tjulenin-Straße und Straße des 9. April, an der Stelle des ehemaligen Dom byta und daneben. – Anm. d. Red.)
An der Ecke der Lobeckstraße (Lobeckstraße, heute Jaroslawskaja-Straße) steht die Königliche Bibliothek (Königliche Bibliothek), von der Straße durch einen kleinen Vorgarten getrennt. Das Gebäude hieß ursprünglich „Königliches Haus“ (Königliche Haus) und wurde 1731 für Friedrich Wilhelm I. erbaut. Später gründete Friedrich der Große (Friedrich der Große, 1712–1786) hier eine Militärschule (École militaire), und 1810 wurde das Gebäude der Königlichen Bibliothek übergeben, die sich zuvor im Schloss befunden hatte und Schlossbibliothek (Schloßbibliothek) hieß. Zu Beginn der 1820er Jahre wurde sie mit der Bibliothek der Universität (Universitetsbibliothek) vereinigt.
Die Bibliothek und das Haus, in dem früher der große Philologe Christian Lobeck wohnte.
Die Bibliothek, die heute 300 000 Bände zählt, wurde von Herzog Albrecht (Albrecht von Brandenburg-Ansbach, 1490–1568) gegründet. 1525 begann er, eine „deutsche“ Bibliothek für den eigenen Gebrauch zusammenzutragen; 68 lateinische und griechische Druckwerke, die 1529 erworben wurden, legten den Grundstein der „lateinischen“ Bibliothek.
Die Silberbibliothek vor einer Karte Großbritanniens.
Erster Bibliothekar wurde der Reformierte Felix König (Felix König), ein Flüchtling aus Holland, genannt Polyphem. 1540 wurde die Bibliothek allgemein zugänglich. Sie wurde um Bücher aus den Sammlungen von Klöstern, des Konvents des Deutschen Ordens und aus Privatbibliotheken von Gelehrten wie Speratus (Speratus), Aurifaber (Aurifaber) und anderen ergänzt. Jährlich gehen in die Bibliothek drei- bis viertausend Bücher ein.
Einen besonderen Platz nimmt die Silberbibliothek (Silberbibliothek) ein. Sie umfasst 20 Bände, davon 14 in Folio, 4 in Quart und 2 in Oktav (in Folio, in Quart, in Oktav – Bezeichnungen von Buchformaten)*. Der Inhalt der Bücher ist kirchlich-geistlich. Einige tragen kunstvolle silberne Beschläge auf den Einbänden, andere, wie etwa das von Osiander übersetzte Evangelium, sind vollständig in Silber gehüllt.
Der größte Teil der Silberbibliothek gehörte nicht dem Herzog, sondern seiner zweiten Gemahlin Maria Anna (Anna Maria von Braunschweig, 1532–1568), die Luxus und Pracht liebte. Am 20. August 1611 wurde die Silberbibliothek Teil der im Schloss gesammelten Kleinodien.
1757 brachte man sie nach Küstrin (Küstrin, heute die polnische Grenzstadt Kostrzyn nad Odrą), um sie vor den Russen in Sicherheit zu bringen, und während der Napoleonischen Kriege nach Memel (Memel, heute die litauische Hafenstadt Klaipėda), damit sie nicht den Franzosen in die Hände fiel. 17 Bände dieser Bibliothek sind das Werk Königsberger Goldschmiede, drei die Arbeit berühmter Meister aus Nürnberg. Anhand dieser Kunstwerke können wir mit Gewissheit vom hohen Niveau der Goldschmiedekunst im damaligen Königsberg sprechen.
Die ständig wachsenden Anforderungen an Bibliotheken machten das Gebäude in der Königstraße für diesen Zweck offensichtlich ungeeignet. Nun muss die Stadt ein neues bauen, wahrscheinlich im Tragheim (Tragheim).
(Das Bibliotheksgebäude ist nicht erhalten, und ihr Bestand wurde tatsächlich 1901 in die Universitätsbibliothek überführt. Was die Silberbibliothek betrifft, so tauchte sie nach dem Krieg 1941–1945 im Schlossmuseum der polnischen Stadt Olsztyn auf. – Anm. d. Red.)

Das Landeshaus der Provinz Ostpreußen Ende des 19. Jahrhunderts.
Das Gebäude des Provinziallandtags der Provinz Ostpreußen (Landeshaus) ist weitaus imposanter als die anderen oben erwähnten öffentlichen Gebäude in der Königstraße. Es wurde für die Provinzialverwaltung (Provinzialverwaltung) gebaut und bestand ursprünglich nur aus dem Mittelteil, war also wesentlich kleiner als heute.
Das Landeshaus der Provinz Ostpreußen Anfang des 20. Jahrhunderts.
Später beschloss man, ihm zwei Flügel anzufügen. Den westlichen, dessen Bau 1893 abgeschlossen wurde, als Amtssitz des Landeshauptmanns (Landeshauptmann). Der östliche ist noch im Bau.
Im elegant und schlicht ausgestatteten Sitzungssaal des Landtags zieht das Gemälde von Brausewetter „Yorcks Ansprache an die preußischen Stände am 5. Februar 1813“ („Yorks Anrede an die preußischen Stände am 5. Februar 1813“, Otto Brausewetter, 1835–1904) die Aufmerksamkeit auf sich. Dieser historische Augenblick markiert den Beginn des Kampfes Preußens gegen die französische Herrschaft. Die denkwürdige Versammlung fand im ehemaligen Ständehaus (Ständehaus) in der Landhofmeisterstraße (Sergej-Tjulenin-Straße) statt, in dem sich heute die Kreditkasse befindet.
(Das Gebäude, in dem General Yorck seinen flammenden Aufruf hielt, ist nicht erhalten; es stand fast gegenüber der Druckerei „Straž Baltiki“. – Anm. d. Red.)
Auf derselben Straßenseite, neben dem Landeshaus, näher am Königstor, befand sich früher das Stadtpalais der Grafen Dohna (Dohna). Diese Residenz ist samt ihrem großen Garten heute Militäreigentum.
Gegenüber lag eine andere Adelsresidenz, die der Familie von Kunheim (von Kunheim) gehörte, die wegen ihrer Verwandtschaft mit Martin Luther von besonderem Interesse ist.
(Einer der Vertreter des Geschlechts Kunheim – Georg von Kunheim (1550–1611) – heiratete nämlich 1555 Margarethe Luther (1534–1570), die Tochter des Kirchenreformators Martin Luther. – Anm. d. Red.)
Neben dem ehemaligen Besitz der Dohnas befindet sich das Gebäude der Intendantur. Dies ist eine militärische Verwaltungs- und Versorgungsbehörde, die für die Geld-, Natural-, Lazarett-, Quartier- und Bekleidungsversorgung der Truppen zu sorgen hat. Jedes Armeekorps hat eine Provinzialintendantur.
Der Abschnitt der Königstraße von der Steilen Gasse (Steile Gasse, heute Grieg-Straße) bis zum Königstor hieß einst Oberste Brandstätte (Oberste Brandstätte). Das erste Tor im Festungswall wurde hier nach 1765 gebaut und hieß bis 1811 Gumbinner Tor (Gumbinner Thor). Damals hieß auch die Königstraße Gumbinner Straße (Gumbinnerstraße).
Das neue Königstor.
Das heutige Königstor (Königsthor), erbaut 1850, schließt die Königstraße eindrucksvoll ab; da seine Durchlassfähigkeit für den wachsenden Verkehr mit der Zeit jedoch nicht mehr ausreichte, wurden vor einigen Jahren die angrenzenden Wälle abgetragen und eine Straße rechts und links um das Tor herum gebaut.
Das Königstor im 20. Jahrhundert: Schubkarre vs. Taxi.
Die Statuen, die das Tor auf der Innenseite schmücken, stellen den Gründer Königsbergs, den böhmischen König Ottokar (Přemysl Otakar II), den ersten Herzog Albrecht und den ersten preußischen König Friedrich I. (Friedrich I, 1657–1713) dar. Geschaffen wurden sie von dem Berliner Bildhauer Stürmer (Ludwig Wilhelm Stürmer, 1812–1885). Neben den lebensgroßen Skulpturen der Landesherren sind die Wappen des Samlands und Natangens angebracht (Samland, Natangen – alte Landschaften, auf denen Königsberg steht).
Beim Bau des neuen Königstores und der angrenzenden Befestigungen musste ein Teil des alten Löbenichtschen Friedhofs abgetragen werden.
Von den Straßen, die von der Königstraße nach Norden, also in Richtung Hinter-Roßgarten (Hinter Roßgarten), verlaufen, ist zuerst die Augustastraße (Augustastraße) zu nennen, die vom Königstor ausgeht. Sie wurde erst Anfang der 1790er Jahre angelegt und nach der Gemahlin Kaiser Wilhelms I. (Wilhelm I / Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen, 1797–1888) benannt.
Die auf sie folgende Wilhelmstraße (Wilhelmstraße) führt ebenfalls zum Herzogsacker (Herzogsacker). Die Rippenstraße (Rippenstraße) und die Lobeckstraße (Lobeckstraße) münden parallel in die Kalthöfische Straße.
Der Name der Rippenstraße (Rippen – Rippe) erklärt sich dadurch, dass am Haus des Webers Valerius Geßler, der in ihr wohnte, angeblich eine acht Ellen lange Walrippe befestigt war. Die Lobeckstraße (früher Löffelgasse – Löffelgasse) ist nach einem der bedeutendsten Philologen unserer Universität benannt, Christian August Lobeck (Christian August Lobeck, 1781–1860). Er wurde am 5. Juni 1781 in Naumburg (Naumburg) geboren. 1814 kam er als Professor nach Königsberg. Hoch geachtet wirkte er hier, unter anderem auch als Oberbibliothekar, bis zu seinem Tod am 25. August 1860.
Die Jägerhofstraße (Jägerhofstraße) verbindet die Königstraße mit dem Vorder-Roßgarten (Vorder Roßgarten). Sie erhielt ihren Namen von dem einst hier befindlichen Großen Jägerhof (Großen Jägerhofe). Heute ist sie eine moderne Straße mit ansprechenden Neubauten.
Die triste Fassade des Friedrichskollegiums.
In der Jägerhofstraße befindet sich das Gymnasium Friedrichskollegium (Friedrichs-Kollegium). Das Gebäude dafür wurde 1890–1892 errichtet. Sein Äußeres ist denkbar schlicht. Dafür entspricht das Innere durchaus den modernsten Anforderungen. Die Aula (Aula) mit einer prächtigen Orgel ist mit Büsten Kants und Herders geschmückt (siehe unten).

Der Hof des Friedrichskollegiums.
Der große, zur Straße hin offene Innenhof ist von neuen, 1895 errichteten Gebäuden umgeben, in denen sich die Dienstwohnungen der Leitung befinden.
Dieses Gymnasium wurde am 11. August 1698 als kleine Privatschule des königlichen Holzkämmerers Theodor Gehr (Theodor Gehr, 1663–1707) gegründet. Durch königliches Reskript vom 4. März 1701 wurde sie zur Königlichen Schule (Königlichen Schule) erklärt. 1703 wurde die Schule aus dem Sackheim (Sackheim) in ein vom Obermarschall von Creytzen (Georg Friedrich von Creytzen, 1639–1710) erworbenes Haus am Kreuztor (Kreuzthor) in der Burgfreiheit (Burgfreiheit) verlegt. Die Schule hieß nun Landhofmeistersaal (Landhofmeisters Saal), erhielt aber schon am 10. Mai 1703 den Namen Collegium Fridericianum (Kollegium Fridericianum, also Friedrichskollegium).
In den folgenden Jahren wurde das Gebäude mehrmals umgebaut; auf seinem Dach errichtete man einen hölzernen Turm, der als Sternwarte diente – die erste in Königsberg. Eine kleine Kapelle wurde 1703 angebaut und bis 1853 genutzt.
Das Friedrichskollegium bestand aus einer Lateinschule, einer deutschen Schule und einem Pensionat. Die Lateinschule bildete Lateinlehrer aus. Die deutsche Schule, die bis 1810 auch Mädchen besuchten, bildete Kaufleute und Handwerker aus.
1790 wurde hier ein Lehrerseminar gegründet, das Lehrer für höhere Schulen ausbildete und mit diesen Schulen verbunden war. Acht Armenschulen wurden in der Zeit von 1732 bis 1738 in allen Teilen der Stadt gebaut. Heute [1895] gibt es in Königsberg 25 solcher Schulen.
1749 übergab Friedrich der Große das Kollegium samt den Armenschulen der Verwaltung des Staatsministeriums. Seit dem 4. September 1810 heißt diese Lehranstalt Gymnasium. Das alte Gebäude wurde 1853 abgerissen und an seiner Stelle ein neues errichtet, das am 17. Oktober 1855 eingeweiht wurde. Eine Turnhalle für das Gymnasium wurde 1876 an der Adresse Yorckstraße 30 eröffnet. (Heute ist das die Straße des Jahres 1812; die Turnhalle befand sich an der Südwestecke der heutigen Grieg-Straße und der Straße des Jahres 1812, und von ihr ist nichts übrig geblieben – Anm. d. Red.)
Die Aula des Friedrichskollegiums.
Am 1. Oktober 1892 wurde das Gymnasium mit seinen Oster- und Michaeliskursen in das neue Gebäude in der Jägerhofstraße 9 verlegt. Der berühmteste Lehrer des Friedrichskollegiums war Gottfried Herder, sein glanzvollster Schüler Immanuel Kant.
Ein Korridor im Inneren des Friedrichskollegiums.
Johann Gottfried Herder (Johann Gottfried Herder, 1744–1803) wurde am 25. August 1744 in Mohrungen (Mohrungen, bei Allenstein) geboren. Er war der Sohn eines Elementarschullehrers. 1762 kam er nach Königsberg, um Medizin zu studieren, änderte aber bald seine Pläne und begann Theologie zu studieren.
Immanuel Kant übte großen Einfluss auf die Studenten aus, und auf Kant wiederum übte der Philosoph Hamann (Johann Georg Hamann, 1730–1788) großen Einfluss aus. Johann Gottfried Herder wurde zum Erben der Ideen Hamanns und unterrichtete am Friedrichskollegium nur ein Schuljahr (1763–64), danach verließ er Königsberg und kehrte nie mehr hierher zurück.
1776 wird Herder Hofprediger in Bückeburg (Bückeburg), danach Generalsuperintendent in Weimar (Weimar). Neben Wieland, Schiller und Goethe (Wieland, Schiller, Goethe) wurde Herder einer der großen Vorkämpfer, die ihr Leben auf dem Altar der deutschen Literatur darbrachten. Besonders hervorzuheben sind seine Verdienste um die Verbreitung des Volksliedes. (Er schuf die Sammlung „Stimmen der Völker in Liedern“.) Herder starb am 18. Dezember 1803.
(Die Autoren des Buches maßen der Tatsache keine besondere Bedeutung bei, dass Herders Übersiedlung von Mohrungen nach Königsberg unter wohlwollender Mitwirkung des Arztes der russischen Armee J. Ch. Schwarz-Erla erfolgte, der Herder half, sich in Königsberg einzurichten und an der Universität aufgenommen zu werden. – Anm. d. Red.)
Die nächste bemerkenswerte Straße verläuft nördlich und parallel zur Königstraße. Sie trägt den Namen Friedrichs (Friedrichstraße) und verbindet die Rippenstraße, die Wilhelmstraße und die Augustastraße sowie die quer verlaufende Herbartstraße.
(Heutige Namen: Friedrichstraße – Tomskaja-Straße, Rippenstraße – Grashdanskaja-Straße, Wilhelmstraße – Teil der Pionerskaja-Straße; die Herbartstraße ist ein Durchgang westlich des Gebäudes der Schule Nr. 24 – Anm. d. Red.)
Die Herbartstraße ist nach dem berühmten Philosophen Johann Friedrich Herbart benannt, der 1809–1833 Kants Lehrstuhl innehatte.
Sein Nachfolger von 1833 bis 1879 war der bekannte Professor Rosenkranz, der einem breiten Publikum durch seine Königsberger Skizzen bekannt wurde.
Nach Süden gehen von der Königstraße die Landhofmeisterstraße (heute Sergej-Tjulenin-Straße), die Ziegelstraße (Ziegelstraße, deren Name im Grunde erhalten blieb), die Prinzenstraße (Prinzenstraße, Teil der Lasaretnaja-Straße) und die Steile Gasse (Steile Gasse, heute Teil der Grieg-Straße) ab. Hier fällt das Gelände ziemlich steil zum Sackheim ab. Die genannten Straßen sind größtenteils erst vor relativ kurzer Zeit entstanden.
Die Fassade des St.-Elisabeth-Krankenhauses.
In der Ziegelstraße befindet sich das katholische St.-Elisabeth-Krankenhaus (Elisabeth-Krankenhaus). Seit 1864 entfalteten in Königsberg die „Grauen Schwestern“ (Graue Schwestern) ihre gemeinnützige Tätigkeit. Anfangs leisteten die „Grauen Schwestern“ nur ambulante Pflege, doch 1890 bauten sie ein altes Wohnhaus um und verwandelten es in ein Krankenhaus.
Blick vom Hof auf das St.-Elisabeth-Krankenhaus.
Mit dem Bau des schönen Gebäudes des neuen Krankenhauses wurde im April 1893 begonnen, und schon am 3. Januar 1894 nahm es die ersten Kranken auf. Das Krankenhaus hat 140 Betten für Patienten, die in vier Abteilungen in drei verschiedenen Klassen behandelt werden. Die Behandlung ist kostenpflichtig, die Preise richten sich nach dem Wohlstand der Patienten. War die Zahl der Schwestern anfangs auf nur drei beschränkt, so sind es jetzt schon 32. Im Krankenhaus arbeiten sechs Ärzte. Insgesamt wurden bis zum 15. Dezember 1894 853 Kranke (477 Männer und 376 Frauen) aller Konfessionen und Nationalitäten aufgenommen. Mit diesem Krankenhaus ist eine Ambulanz (Poliklinik) verbunden, in der 1894 1 384 Patienten behandelt wurden. Ärztliche Hilfe, Verbände und Arzneien sind hier unentgeltlich. Seit dem 1. Januar 1895 gibt es ein Abonnement für die kostenpflichtige Pflege zu Hause.
Nur ein Haus trennt das Evangelische Stadtmissionshaus (Evangelische Stadtmissionshaus) vom St.-Elisabeth-Krankenhaus. Auch dies ist ein Neubau, aber ein bescheidenerer. Als eine ihrer Aufgaben betrachten die hiesigen Missionare die Bekämpfung heidnischer Glaubensvorstellungen. Sie streben danach, die geistigen Sünden der modernen Gesellschaft zu bessern, die kirchlichen Bräuche zu läutern und verirrte Christen in den Schoß der Kirche zurückzuführen. Außerdem unterhält die Mission Häuser und Krankenhäuser für Arme und einen Rettungsdienst für elternlose Kinder; sie gründet Jünglingsvereine und Vereine zur Enthaltsamkeit von Ausschweifungen (Enthaltsamkeitsverein – Verein strenger Sitten) und kümmert sich um die Unterstützung von Menschen, die in verschiedene schwere Lebenslagen geraten sind.
Die Friedmannstraße (Friedmannstraße), die bis Ende 1892 Dritte Wallgasse (dritte Wallgasse) hieß, kreuzte die Steile Gasse und verlief in östlicher Richtung parallel zur Königstraße vom Garnisonlazarett (Garnison Lazarett) zur Litauer Wallstraße (Litthauer Wallstraße).
In ihr steht das Friedmannsche Vereinshaus (Friedmannsche Vereinshaus), nach dem sie umbenannt wurde. Im Haus ist der Frauenverein (weiblicher Verein) untergebracht, dessen Mitglieder Kranken und Armen helfen wollen. Die Hilfe wird zu Hause geleistet. Den Verein leitet Frau Friedmann, die Gattin des Stadtrats.
(Diese Straße existiert heute ebenso wenig wie das Friedmannsche Vereinshaus. Sie verlief durch die Höfe der heutigen neungeschossigen Häuser, die in einigem Abstand entlang der Frunse-Straße vom Zaun des Infektionskrankenhauses bis zum Litowski Wal stehen. 1913 wurde in der Friedmannstraße die Friedenskirche (Friedenskirche – Kirche des Friedens) gebaut. Auch sie ist nicht erhalten. Wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, umfasste das Gebiet der Gemeinde Neue Sorge das Gelände entlang der heutigen Frunse-Straße von der Klinitscheskaja-Straße bis zum Litowski Wal und reichte jeweils 100–200 Meter nördlich und südlich der ehemaligen Königstraße. – Anm. d. Red.)
Archivfotos: Bildarchiv Ostpreußen. Aktuelle: Michail Ogorodnikow.
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- „Folio“, „Quart“ und „Oktav“ sind traditionelle Buchformate, die davon abhängen, wie der Druckbogen gefaltet wird. Folio – das größte Format – der Bogen wird einmal gefaltet, wodurch zwei Blätter und vier Seiten entstehen. Dieses Format ist auch als „in folio“ bekannt. Quart – das mittlere Format – ein zweimal gefalteter Bogen – vier Blätter und acht Seiten. Der Begriff „Quart“ kommt vom lateinischen Wort für „Viertel“. Oktav – ein dreimal gefalteter Bogen – acht Blätter und sechzehn Seiten. Der Begriff „Oktav“ kommt vom lateinischen Wort für „Achtel“.
Aus dem Russischen übersetzt mit Hilfe von KI (Claude, Anthropic), Oktober 2026.


